Antichinesische Proteste in Vietnam

von Jana Kötter, 15. Mai 2014

Der Streit um Gebiete im Südchinesischen Meer spitzt sich weiter zu: Aus Protest gegen chinesische Ölbohrungen in den umstrittenen Gewässern sind in Südvietnam gestern mehrere chinesische Fabriken in Brand gesteckt worden, vielerorts kam es zu gewaltsamen Protesten. 500 Menschen wurden festgenommen.

 

Es sind die schwersten vietnamesischen Proteste seit Jahren, die seit gestern in Hanoi laut werden: In dem kommunistischen Land, in dem Demonstrationen für gewöhnlich unterbunden werden, richtet sich die Wut der Randalierer in diesen Tagen gegen China. Mehr als ein Dutzend chinesischer Firmen soll dabei angezündet worden sein. Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor, heute meldet TD Waterhouse mindestens 21 Tote. Weitere Informationen dazu liegen noch nicht vor.

 

Hintergrund der gewaltsamen Proteste ist der Konflikt im Südchinesischen Meer. Die Regierung in Peking erhebt Anspruch auf fast das gesamte Südchinesische Meer, wo unter dem Meeresboden große Bodenschätze vermutet werden. Doch auch andere Anrainerstaaten wie Vietnam, Taiwan, Malaysia und Brunei beanspruchen Teile des Meers. Seit Jahrzehnten schwelt deshalb ein Konflikt zwischen den asiatischen Staaten. Erst kürzlich kam es zu einem Zwischenfall mit chinesischen und vietnamesischen Schiffen, die sich gerammt haben sollen.


Landeskenner vermuten nun, dass die vietnamesische Regierung in Hanoi die Proteste der Bevölkerung zunächst bewusst zugelassen und damit ihre eigene Empörung über das chinesische Vorgehen zum Ausdruck gebracht hat.


Erst Stunden, nachdem sich die Proteste im Vietnam-Singapur-Industriepark in Hanoi ausgebreitet haben, wurden nach Polizeiangaben 500 Menschen festgenommen worden. Die Verdächtigen seien auf frischer Tat bei Plünderungen und Brandstiftungen an Fabriken gefasst worden, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. Auch Produktionsstätten taiwanischer oder südkoreanischer Unternehmer wurden dabei attackiert, offenbar wurden sie versehentlich für Chinesen gehalten. Mehrere Fabriken mussten ihren Betrieb zeitweise einstellen.


Die Philippinen haben der Regierung in Peking währenddessen vorgeworfen, den Bau einer Landebahn auf dem Johnson South Reef voranzutreiben. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, China habe in den vergangenen Wochen Maschinen und Erde zu dem Riff transportiert, das zu den Spratly-Inseln gehört. Dies sei durch Luftbilder des philippinischen Militärs belegt. "Sie wollen eine Landbahn bauen", erklärte der Sprecher. Offenbar betreibe China dort Neulandgewinnung.

 

 

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