China begeht Nationalfeiertag

von Jana Kötter, 1. Oktober 2014

 

国庆节快乐 - guó qìng jié kuài lè! Das wünschen sich Chinesen im gesamten Land heute. Denn die Volksrepublik begeht den

65. Jahrestag ihres Bestehens. Doch der wird von den anhaltenden Protesten in Hong Kong überschattet.

 

Am 1. Oktober 1949 hat der Große Steuermann Mao Zedong die sozialistische Volksrepublik China gegründet – und bis heute ist dies der wohl wichtigste politische Feiertag im Reich der Mitte. Auch nach Beendigung des Kalten Krieges wird der Tag noch heute von vielen begeisterten Anhängern des sozialistischen Gedankens begeistert gefeiert.

 

Bilder von Mao werden mit Blumen geschmückt und durch die Straßen von Peking, Schanghai und Hongkong getragen, zahlreiche Paraden finden statt, Häuser und Geschäfte werden mit Fahnen geschmückt.

 

Ich selber erinnere mich gut an das Jahr 2009, in dem ich das Glück hatte, das 60. Jubiläum mitzuerleben. Schon Wochen vorher war der nahende Feiertag Gesprächsthema; vielerorts wurden bereits Sicherheitsabsperrungen für die Feierlichkeiten eingerichtet. Rote Flaggen säumten die Hauptstraßen, aber auch die kleinsten Gassen in der Pekinger Altstadt.

 

Am Feiertag selber präsentierte die Regierung dann in einer feierlichen Militärparade, was die Armee des Landes zu bieten hat. Panzer rollten vor dem Bildnis von Mao am Tiananmen-Platz vorbei, die modernsten Entwicklungen des Landes – wir verfolgten die Feierlichkeiten am Bildschirm, denn der Bereich im Herzen Pekings war großräumig abgesperrt. Lediglich einige wenige geladene Gäste durften so nah an diesem „Spektakel“ dran sein.

 

Die Regierung feierte sich selber in einer perfekten Inszenierung – unter strahlend blauem Himmel. Denn vom sonst üblichen Smog war nichts zu sehen, sogar dafür hatte man gesorgt. Wie vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 soll eine Chemikalie in die Luft geblasen worden sein, die den Smog abregnen und den Himmel pünktlich zur Militärparade in tiefem Blau erstrahlen ließ.

 

In diesem Jahr jedoch bietet sich ein anderes Bild: Die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag sind von den Protesten in Hong Kong überschattet, sogar das traditionelle Feuerwerk wurde abgesagt.

Experten auf der gesamten Welt fürchten, dass der Druck auf die chinesische Parteispitze aufgrund der Feierlichkeiten so hoch ist, dass sie – auch gewaltsam – gegen die Proteste vorgehen könnte.

 

Nicht nur, dass die chinesische Regierung an dem hohen Feiertag keine Proteste auf den Straßen sehen möchte. Diese Zeit ist eigentlich die Hochsaison des Tourismus, denn ganz China hat eine Woche Ferien, um den Nationalfeiertag zu feiern, und Hongkong ist ein beliebtes Reiseziel für Festlandchinesen. Doch in der Umgebung der Demonstrationen sind die Juweliergeschäfte, die sonst die chinesische Kundschaft anziehen, jetzt geschlossen, Cafés und Geschäfte öffnen ihre Türen kaum, selbst einige der riesigen Shopping Malls mit ihren Hunderten von Geschäften bleiben zu.

 

Gegen die Demonstranten und ihre Forderung nach Demokratie hat eben auch die perfekte Inszenierung des Staats keine Chance.

 

 

Zurück zum China-Blog

 

 

 

Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

Keinen Blog-Beitrag mehr verpassen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Jana Kötter 2014