Der erste Schneefall des Jahres

von Jana Kötter, 8. Februar 2014

Gestern ist –mit großer Verspätung– der erste Schnee des Jahres in Peking gefallen. Seit Beginn der modernen chinesischen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1951 registrierten die Behörden erst ein Mal noch später im Pekinger Winter Schneefall, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Chen Dagang von Pekinger Klimazentrum machte die ungewöhnlich hohen Temperaturen und die Trockenheit für die Verspätung verantwortlich.


Mich erinnert der erste Schnee des Jahres, der in diesen Tagen in Chinas Hauptstadt liegt, an meinen ersten Frost im Reich der Mitte. Das war am 10. November 2009 – und damit genau fünf Tage zu früh für den "offiziellen" chinesischen Winter, der erst am 15. November beginnt. Bis zum 15. März dürfen, oder besser gesagt müssen, die Chinesen dann heizen. Vorher nicht.

 

Denn ob und wann ein Chinese in der vorwinterlichen Metropole Peking die Heizung aufdreht, entscheidet nicht die Außentemperatur, sondern der Staat: Die Heizenergieversorgung wird im kommunistisch regierten China zentral gesteuert. Doch leider hält sich das Wetter eben nicht immer an die staatlich festgelegten Termine, was dazu führt, dass fast jeden Oktober aufs Neue bereits zahlreiche Pekinger frieren, sich daheim in Decken einmummeln oder vor die neuen elektrischen Heizöfchen setzt – wer sich das leisten kann.


Mein erster Schnee war damals jedoch eine Besonderheit: Denn er hat die Zentralregierung dazu bewegt, die Heizungen schon früher aufzudrehen. Nur knapp zwei Tage musste ich in meiner Wohnung frösteln. Der Hintergrund: Zahlreiche Medien schmunzelten damals darüber, dass die Regierung mal wieder mit einem Chemiegemisch, das in die Luft geblasen wird, den Smog hatte abregnen lassen wollen, um der Luftverschmutzung in der Hauptstadt entgegen zu wirken – dieses Mal aber das nahende Tiefdruckgebiet vergessen hatte. Das Ergebnis war also Schnee. Und zwar keinesfalls einer, der ohne die staatliche Hilfe schon gefallen wäre.


Ob das lediglich Gerüchte waren, die Regierung in diesem Herbst einfach nur mild eingestellt war oder vielleicht doch etwas Wahres dran ist, das wird außer den staatlichen Meteorologen selbst wohl niemand genau sagen können. Fest steht jedoch, dass wir deutschen Studenten überaus dankbar waren, nicht noch länger frieren zu müssen.


Ach, übrigens: Wenn die Heizung dann erst einmal läuft, dann läuft sie auch. Die meisten Heizungen besitzen weder Ventile noch Thermostate – und bollert so vor sich hin, vom 15. November bis 15. März. Die Decken und Heizöfen haben, sobald mal wieder ein milderes Hoch kommt, ausgesorgt – und plötzlich sitzt man im T-Shirt in der Wohnung. Oder reißt, wenn es allzu warm wird, auch einfach mal die Fenster mitten im Winter auf. Dass das nicht zur immer wieder auch in China propagierten Strategie des Energiesparens passt, liegt auf der Hand.


Die Pekinger selber nehmen die kuriose Heizungsregelung hin. Sind sie doch froh, überhaupt eine funktionierende Heizung zu haben. Nach den milden Temperaturen der letzten Wochen mag das aber auch bedeutet haben, dass viele Chinesen schon sehnsüchtig auf den Schneefall gewartet haben. Immerhin passen der staatliche und der meteorologische Winter jetzt endlich zusammen.

Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

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