MH370: Familien erheben schwere Vorwürfe

von Jana Kötter, 26. März 2014

Nach mehr als zwei Wochen gibt es Gewissheit. Die Boeing der Malaysia Airline ist in den indischen Ozean gestürzt, teilten offizielle Stellen bereits am Montag mit. Was bei den Angehörigen der Opfer von Flug MH370 nun bleibt, ist verzweifelte Gewissheit, Trauer – und der harte Vorwurf, dass Malaysia nicht alles getan hat, um das Unglück zu klären.


Auf einer Fläche, die rund 21-mal so groß ist wie Deutschland, suchten Einsatzkräfte aus 26 Nationen nach der verschwundenen malaysischen Boeing 777. Mehr als zwei Wochen lang liefen die Ermittlungen, immer wieder wurde die Sichtung möglicher Wrackteile gesichtet, wieder verworfen, die Suche ausgeweitet. Am Ende hat die Auswertung der Satellitendaten ergeben: Flug MH370 ist in den indischen Ozean abgestürzt. Das letzte Signal sei von einer Position westlich von Perth aufgefangen worden, sagte Malaysias Regierungschef Najib Razak bereits am Montagabend.


Die Angehörigen sollen die Information per SMS empfangen haben. Und dann ging alles ganz schnell: Die malaysischen Kräfte, die die Familien in einem Hotel betreuten, wurden in Windeseile abgezogen, den Familien schnell eine Entschädigung von 5000 Euro versprochen, der Fall als weitestgehend geklärt abgehakt.


Dabei ist das Rätsel um das verschwundene Flugzeug keinesfalls gelöst: Dank der neuen Analyse ist zwar eindeutig, wo das Wrack zu suchen ist. Völlig unklar ist aber nach wie vor, warum die Maschine am 8. März auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking vom Kurs abwich und warum die Kommunikationssysteme an Bord ausfielen.


"Für die Angehörigen waren die vergangenen Wochen herzzerreißend", sagte Najib auf einer Pressekonferenz. Und für sie ist der Fall MH370 auch keinesfalls geklärt. Die Familien dürften nun mehr als je zuvor eine Antwort fordern auf die Frage, was an Bord des Geisterfluges passiert ist. Bei ihnen bleibt die Ungewissheit – und die Verärgerung über die malaysische Informationspolitik, über die Benachrichtigung per SMS, über möglicherweise zurückgehaltene Informationen.


Bereits während der Ermittlungen warfen die Angehörigen der malaysischen Regierung eine „katastrophale Informationspolitik“ vor. „Angesichts der heutigen Technologie riecht der Zeitverzug entweder nach Vernachlässigung von Pflichten oder einem Zögern, Informationen umfassend und rechtzeitig zu teilen. Das wäre unerträglich“, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua in einem Kommentar.


Die chinesischen Familien vermuteten, dass Malaysia mehr Informationen hatte als die Regierung preisgab. Und auch Chinas Spitze wirft Malaysia vor, Informationen nach dem Verschwinden des Flugzeugs nicht ausführlich und schnell genug weitergegeben zu haben.Peking hat nun sogar einen Sondergesandten nach Malaysia geschickt. Der chinesische Vizeaußenminister Zhang Yesui soll sich in die Bemühungen nach dem Verschwinden des Flugzeugs einschalten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.


Der Fall des Geisterfluges MH370 beschäftigte in den vergangenen zwei Wochen auch die chinesische Netzgemeinde. In der Kritik stand dabei nicht nur die lückenhafte Berichterstattung in den chinesischen Medien, sondern vor allem die Tatsache, dass Malaysia Informationen zurückgehalten habe. „Es ist unmöglich für chinesische Journalisten, Informationen über die Boeing aus erster Hand zu erhalten“, schrieb Blogger Xiangwang Li beispielsweise auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo. „Es wäre etwas anderes, wenn das Flugzeug aus China stammen würde.“


Was nach dem Unglück nun bleibt, ist also nicht nur die traurige Gewissheit, dass die Passagiere den Absturz nicht überlebt haben. Die Ereignisse sind überschattet von einem schalen Beigeschmack, von Misstrauen der chinesischen Angehörigen gegen die malaysische Regierung. Eine schlechte Informationspolitik, eine aufgrund von finanziellen Erwägungen womöglich zu früh eingestellte Suche, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen bei der Fluglinie – all diese Vorwürfe, die nun im Raum stehen, dürften das Verhältnis zwischen China und Malaysia nachhaltig trüben.

 

 

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