Peking ist omnipräsent - auch in Hong Kong

Kommentar von Jana Kötter, 29. September 2014

 

“Ich würde lieber sterben, weil ich aufrecht stehe, als ein Leben lang auf Knien zu sein”, sagt eine Frau mit festen Worten in die Kamera. Sie, Mitte 50, inmitten der Demonstranten, sagt dem staatlichen Fernsehsender CCTV: “Das Beste wäre vielleicht, wenn Xi Jinping die Panzer schickt. Ich wäre die erste, die sich davor stellt, um zu blockieren. Ich habe nichts zu verlieren.”

 

Es sind drastische Worte, die diese Frau in die Fernsehkamera sagt. Und doch zeigen sie die Bestimmtheit der Demonstranten in Hong Kong – und die Tatsache, wie Peking trotz des etablierten “Ein Land, zwei Systeme” ist. Zwar gilt Hong Kong als autonome Sonderverwaltungszone; doch in einer Extremsituation wie dieser ist es vorbei mit der Autonomie.

 

Peking ist omnipräsent. Das weiß Hongkongs Regierungschef Leung, das weiß Peking. Und das wissen auch die Studenten.

 

Und mit Peking ist da auch etwas anderes, was in diesen Tagen über den Zehntausenden in Hong Kong schwebt. Es ist das Wissen, dass Peking vor genau 25 Jahren schon einmal eine Studentenbewegung gewaltsam niedergeschlagen hat.  

 

Bisher sind die Demonstrationen weitgehend friedlich verlaufen – eine Tatsache, für die das Hongkonger Volk bekannt ist. Ausschreitungen gibt es hier selten; vielleicht mit ein Grund, warum die chinesische Regierung seit der Rückgabe der ehemals britischen Kolonie 1997 das System „Ein Land, zwei Systeme“ überhaupt gelten lässt und die Hongkonger in der Ferne sogar zum Gedenken an Tiananmen 1989 demonstrieren lässt, während Chinesen im Rest der Volksrepublik einen Maulkorb verhängt bekommen haben.

 

Dabei müssen die Demonstrationen nun so ruhig weiterlaufen. Sobald sich die Protestierenden etwas zu Schulde kommen lassen, wird Peking dies als Rechtfertigung nutzen, um einzugreifen – auf welchem Weg auch immer.

Die Studenten spüren das. Peking ist schließlich omnipräsent – und damit auch die Angst.

 

Doch was sagt es eigentlich über die chinesische Führung aus, dass sich Zehntausende Studenten im eigenen Land und Beobachter in der ganzen Welt die Frage stellen, ob Tausende Jugendliche niedergeschossen werden könnten?

 

 

Zurück zum China-Blog

 

 

Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

Keinen Blog-Beitrag mehr verpassen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Jana Kötter 2014