Proteste in Hong Kong eskalieren

von Jana Kötter, 27. September 2014

 

Seit Wochen demonstrieren Studenten in Hongkong gegen die von China abgelehnte Wahlrechtsreform. Nun scheint der Protest zu eskalieren: Mehr als zwei Dutzend Menschen wurden verletzt, es gab mehrere Festnahmen.

 

Auf ihren Schildern steht „Freiheit“ oder „Unabhängigkeit“, mit Megafonen ziehen sie durch die Straßen Hong Kongs. Vor dem Sitz der örtlichen Regierung versammeln sich währenddessen zahlreiche Demonstranten, um eine Gruppe von Schülern und Studenten zu unterstützen, die das Gelände in der Nacht zuvor gestürmt hatte.

 

Seit Wochen demonstrieren in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hong Kong Studenten für freie Wahlen. Die frühere britische Kronkolonie ist seit 1997 wieder Teil von China. Die Stadt genießt nach dem Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" weitgehende Autonomie, insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet – die Kandidaten für die 2017 stattfindende Wahl sollen jedoch trotzdem von Peking bestimmt werden. Damit ist es praktisch ausgeschlossen, dass es Regierungskritiker auf die Liste schaffen. Und das wollen sich die jungen Bewohner Hong Kongs nicht gefallen lassen.

 

Dabei professionalisieren sich beide Seiten zunehmend: Die Studenten tragen mittlerweile zu einem großen Teil große Taucherbrillen aus Plastik, weil die Polizei Pfefferspray einsetzt, um die Menge vor dem Regierungsgebäude auseinander zu treiben. Und die Ordnungshüter machen, Angaben der Studenten zu Folge, nun auch Gebrauch von Wasserwerfern.

 

Heute ist es so zu den bislang schwersten Zusammenstößen seit Beginn der Proteste gekommen. 28 Studenten und Polizisten wurden verletzt, wie die Polizei am Samstag berichtete. Mindestens dreizehn Menschen wurden festgenommen, darunter auch der 17-Jährige Joshua Wong, einer der Anführer der Proteste.

 

Joshua Wong wird laut Spiegel Online vorgeworfen, Polizisten tätlich angegriffen zu haben. Die 50 verbliebenen Protestteilnehmer wurden von den Sicherheitskräften abgeführt. Einige von ihnen wurden weggetragen, nachdem sie sich geweigert hatten, das Gelände zu verlassen. Vor dem Regierungssitz harrten weiterhin etwa eintausend Demonstranten aus. "Die Polizei sollte Diebe fangen, nicht Studenten", rief die wütende Menge.

 

Die Proteste der Studenten sind Vorläufer möglicherweise größerer Demonstrationen der prodemokratischen Occupy-Central-Bewegung, die am Nationalfeiertag am Mittwoch beginnen sollen. Die Aktivisten drohen mit einer Besetzung des Central genannten Finanzdistrikts.

 

Die Regierung bemüht sich währenddessen, das Bild des perfekten "Ein Land, zwei Systeme" aufrecht zu erhalten. So wurden in den vergangenen Tagen in vielen Wohngebieten Hong Kongs neue Propaganda-Schilder aufgehängt. „Grow the law in my heart, build the Chinese dream together!“ steht auf ihnen: „Bilde Rechtsbewusstsein im Herzen, verwirkliche den Chinesischen Traum gemeinsam!“

 

 

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