Proteste in Hongkong: Ein kluger Zug

Kommentar von Jana Kötter, 7. Oktober 2014

 

Wie untergehende Sonnen stehen hier und dort Regenschirme an den Straßenrändern Hongkongs – und setzen so ein deutliches Zeichen für das Ende der „Umbrella Revolution“. Denn nach dem Einlenken der Studenten und der Aufhebung eines Teils ihrer Barrikaden ist zumindest etwas Normalität in die asiatische Wirtschaftsmetropole zurückgekehrt.

 

Bereits gestern konnten Regierungsbeamte erstmals wieder ungehindert zur Arbeit gehen, auch Schulen konnten nach Angaben lokaler Medien vielerorts wieder öffnen. Mit ihrem Entgegenkommen wollten die Studenten eine offene Konfrontation vermeiden – ein kluger Zug.

 

Denn Peking hat sich angesichts der anhaltenden Proteste zunehmend unter Druck gesetzt gefühlt. Hongkongs Regierungschef Leung Chun-ying, der der chinesischen Regierung trotz der Tradition "Ein Land, zwei Systeme" sehr nah steht, hatte bereits vor einer Eskalation gewarnt und die Entschlossenheit bekräftigt, "alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die soziale Ordnung wiederherzustellen".

 

Was das in einem System wie China bedeuten kann, wissen nicht nur Kenner des Reichs der Mitte gut. Zu präsent ist Tiananmen 1989.

 

Dass sich die Studenten nun zunächst dem Druck der Regierung gebeugt haben, war deswegen die richtige Entscheidung. Denn nur so schaffen sie es, dem Pulverfass Hongkong zumindest eine kleine Portion Zündstoff zu entziehen und ehrlich gemeinte Kompromissbereitschaft zu zeigen - unvermeidlich, um gemeinsam an einem Tisch zu sitzen und eine Lösung zu finden.

 

Auch für die persönliche Rekreation war der Rückzug zunächst unvermeidlich: Nach Tagen des Ausharrens auf Hongkongs Straßen fehlen bei vielen mittlerweile die Kräfte, kluge Entscheidungen zu treffen.

 

Ein Ende der politischen Krise bedeutet das augenscheinliche Ende der „Umbrella Revolution“ jedoch nicht. Auch die Demonstranten sagen offen, dass sie ihre Proteste für mehr Demokratie in Chinas Sonderverwaltungsregion fortsetzen wollen.

Mit dem Erreichen einer Reform für mehr Demokratie würde Hongkong ein wahres Zeichen setzen; und bisher stehen die Chancen nicht schlecht: Regierung und Studenten zeigten sich grundsätzlich gesprächsbereit.

 

Vieles wird nun davon abhängen, inwiefern die Regierung bereit ist, auch wegen der Vorwürfe gegen die Polizei, sie wären unverhältnismäßig gegen Protestierende vorgegangen, zu ermitteln. Denn dass es die jungen Chinesen in Hongkong mit ihrer Forderung nach mehr Demokratie ernst meinen, dürften die Zehntausende Studenten in den vergangenen Tagen und Wochen bereits gezeigt haben.

 

 

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