Wenn West und Ost aufeinander treffen

von Jana Kötter, 14. Februar 2014

In China ist heute ein ganz besonderer Tag gewesen: Zahlreiche Pärchen haben sich im gesamten Land das Ja-Wort gegeben, sich gegenseitig Liebe geschworen. Den besonderen Tag im Rahmen der Familie gefeiert, ein Festmahl veranstaltet. Nein, nicht alleine, weil heute Valentinstag ist – sondern weil der in diesem Jahr mit dem chinesischen Laternenfest zusammenfällt.


In China verbinden sich damit Tradition und Moderne, Fernost und West, in einer einzigartigen Weise.


Das Laternenfest, auf chinesisch Dēngjié 灯节, ist ein traditioneller chinesischer Feiertag, der das mehrtägige Neujahrsfest abschließt. Heute ist der 15. Tag des ersten Mondmonats nach dem traditionellen chinesischen Kalender, vor genau zwei Wochen haben die Chinesen Neujahr gefeiert.


Zum Laternenfest, das auch Yuanxiao-Fest genannt wird, erleuchten nun überall im Land Laternen – ganz gleich, ob eckig oder rund, schlicht oder in auffälliger Tierform, traditionell rot oder flippig-bunt. Die teilweise riesengroßen Exponate werden jedes Jahr neu angefertigt. Mit einem Lächeln im Gesicht erinnere ich mich heute zurück an meine letzten Tage in Xi’an, die geprägt waren von staatlichen Angestellten, die in blauen Anzügen auf Bäume kletterten und diese prachtvoll schmückten.


Tangyuan, Klößchen aus klebrigem Reismehl mit einer süßer Füllung, sind zum Laternenfest ein Muss. Dabei schmecken die natürlich besonders gut, wenn man sich –ganz verliebt- eines der klebrigen Klößchen teilt. Und genau hier kommt der Westen ins Spiel: Der Valentinstag, der in diesem Jahr ausgerechnet auf Dengjie fällt, erhöht den Druck auf die chinesischen Junggesellen und Junggesellinnen enorm – gilt das Laternenfest doch ohnehin als Tag der Brautschau und Ehestiftung.


Wer da keinen Partner vorweisen kann, wenn es zum traditionellen Familienfest geht, hat schnell verloren. Fragen wie „Und, wann bringst du den Richtigen mit?“, „Bist du etwa immer noch alleine?“ oder gar „Kindchen, wann kommt denn endlich der Nachwuchs?“ sind da an der Tagesordnung. Eine Mutter soll sogar auf ein Pappschild geschrieben haben „Wenn du nicht heiratest, bringe ich mich selber um“. Nicht umsonst hat in den vergangenen Jahren die Zahl der Escort-Agenturen, bei denen sich vor allem junge, erfolgreiche, aber leider alleinstehende Frauen den „Traumpartner“ mieten können, extrem zugenommen.


Nun, da auch noch der westliche „Tag der Verliebten“ als zusätzliches Druckmittel hinzu kommt –schließlich ist alles, was aus dem Westen kommt, überaus trendy und sorgt auch in China für außergewöhnliche Umsätze! –, dürften Single-Chinesen den Tag erst recht verfluchen. Immerhin kommen nun unzählige verliebte Pärchen hinzu, die sich heute das Ja-Wort geben und den Unmut der Eltern damit noch doppelt anfachen.


Sie dürften sich freuen, wenn dieser ganz „besondere“ Tag morgen wieder vorbei ist. Die chinesischen Traditionen zu achten ist immerhin schon schwer genug – ebenso wie das Folgen der westlichen Trends. Aber beides zusammen? Unerträglich.

 

 

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Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

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