China erwartet Baby-Boom

von Jana Kötter, 30. Mai 2014

 

Es ist der größte Wunsch vieler chinesischer Eltern: ein Geschwisterchen für das bereits geborene Kind. Bisher hat die strenge Ein-Kind-Politik der Regierung das vielen unmöglich gemacht – bisher. Denn nun will Chinas Spitze ihre Vorgabe lockern. Und rechnet deshalb mit zwei Millionen zusätzlichen Geburten pro Jahr.

 

Hungersnöte, Naturkatastrophen und Kriege hielten jahrhundertelang die Zunahme der chinesischen Bevölkerung in Grenzen. Erst nach 1949 begann ein explosionsartiges Bevölkerungswachstum. Um Hungersnöte zu verhindern und einen wirtschaftlichen Fortschritt zu ermöglichen, sollte dieses wieder eingedämmt werden – und so wurde bereits in den späten 1970er Jahren die Ein-Kind-Politik eingeführt.

 

Eheleuten, die sich nicht daran hielten, drohte eine Geldstrafe, Augenzeugen berichteten außerdem immer wieder von staatlich erzwungenen Schwangerschaftsabbrüchen und Zwangssterilisationen. Während die Einhaltung auf dem Land oft nicht überprüft werden konnte, standen die Paare in der Stadt stets unter strenger Kontrolle.

 

Die Ein-Kind-Politik sollte das Wachstum des größten Volkes der Erde bremsen. Doch heute, mehr als 30 Jahre nach der Einführung der ungeliebten Politik, hat China eine der geringsten Geburtenraten der Welt. Im Durchschnitt kommen auf eine chinesische Frau nur noch 1,55 Kinder, das bedeutet Platz 181 im internationalen Vergleich.

 

Schon im Dezember billigte der Ständige Ausschuss des chinesischen Parlaments deshalb die Lockerung der in der Bevölkerung ungeliebten Ein-Kind-Politik. Demnach erhalten in China mehr Paare die Erlaubnis, ein zweites Kind zu bekommen – nämlich zusätzlich jene Ehepaare, bei denen einer der Partner selber Einzelkind ist. Bislang durften für diese Ausnahme weder Vater noch Mutter Geschwister haben. Der Reformschritt wurde bereits im November zum ersten Mal hervorgebracht.

 

Uneigennützig, so Kritiker, hat China die Gesetzesänderung nicht beschlossen: Mit der Lockerung der bisherigen Regeln wolle die Führung in Peking dem Problem der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft entgegenwirken – und damit auch das wirtschaftliche Wachstum aufrecht erhalten.

 

Für das Land könnte die Lockerung letztlich jedoch drastische Folgen haben: Nach Angaben von Behördenvertretern muss zukünftig mit rund zwei Millionen Kindern mehr pro Jahr gerechnet werden. Laut Wall Street Journal könnte das vor allem die Krankenhäuser vor Probleme stellen, hier seien nicht ausreichend Kapazitäten für einen solch drastischen Anstieg der Geburtenrate vorhanden.

 

Nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef wurden in China vergangenes Jahr 18,5 Millionen Babys geboren. Zwei Millionen weitere Kinder pro Jahr würden also einen Zuwachs von elf Prozent bedeuten.

 

Zum Vergleich: In Deutschland kamen im Jahr 2012 673.000 Babys zur Welt.

 

 

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