China feiert den Tag der Arbeit

von Jana Kötter, 1. Mai 2015

 

Einen schönen ersten Mai! Der Maifeiertag, auch Tag der Arbeit genannt, erinnert an die Arbeiterbewegung. Gefeiert wird er in Deutschland, Österreich, Belgien – aber auch China.

 

Anfang 1886 rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai auf – in Anlehnung an die Massendemonstration am 1. Mai 1856 in Australien, welche ebenfalls den Achtstundentag forderte. An das Ereignis und die Erfolge der Arbeiterbewegung erinnert der Maifeiertag heute in vielen Staaten auf der gesamten Welt.

 

In Deutschland finden dazu traditionell Maikundgebungen statt, vielerorts kommt es zu Demonstrationen, die nicht selten in Ausschreitungen enden.

 

In China hingegen wird der Tag der Arbeit ruhiger begangen: Das Wichtigste ist heute, wie an den anderen nationalen Feiertagen, im Kreise der Familie zu sein. Denn gerade für Arbeiter, die ihre Familie in ihren Heimatprovinzen lassen und zum Arbeiten in die Großstadt gehen, ist dieses Wochenende eine der seltenen Gelegenheiten, ihre Lieben wiederzusehen.

 

Der Tag der Arbeit, chinesisch 劳动节, láo dòng jié, ist einer der insgesamt elf gesetzlichen Feiertage. Interessant ist, dass der Tag der Arbeit nach dem westlichen Kalender immer am 1. Mai stattfindet und damit kein beweglicher Feiertag wie beispielsweise das Chinesische Neujahrsfest oder das Drachenbootfest ist, die beide nach dem chinesischen Mondkalender gefeiert werden und im Datum damit Jahr für Jahr variieren.

 

Sollte der 1. Mai auf einen Samstag oder Sonntag fallen, wie im Jahr 2011, wird am folgenden Montag den Beschäftigten ein arbeitsfreier Tag zugesprochen. Schüler erhalten regulär drei Tage Schulferien.

 

Hunderttausende Chinesen machen sich in diesen Tagen auf, um ihr Land zu erkunden und gemeinsam mit ihren Familien und Freunden durch das Land zu reisen. Reiseziele wie die Chinesische Mauer, die Gelben Berge im Süden von Anhui, oder Touristenorte wie Guilin sind zu dieser Zeit in der Regel völlig überlaufen – als Tourist sollte man deshalb vermeiden, an diesen Feiertagen zu reisen. Die Entdeckung der überfüllten Sehenswürdigkeiten macht nicht nur keinen Spaß, es ist außerdem enorm schwierig, Zug- und Bustickets zu erhalten.

 

Geändert wurde die Feiertags-Regelung in China zuletzt übrigens 2008. Die Zahl der arbeitsfreien Feiertage in China wurde damals von zehn auf elf erhöht. Die vorher drei Feiertage zum Tag der Arbeit am 1. Mai wurden auf nur einen freien Tag zum Tag der Arbeit geändert; im Gegenzug dafür wurden nun drei traditionelle chinesische Feiertage zu arbeitsfreien Feiertagen erklärt, nämlich das Drachenbootfest, das Mitherbstfest und der Tag der Grabpflege.

 

Die Änderungen in der Feiertagsregelung in China ermöglichen, dass Mitarbeiter diese Tage eben wieder im Kreis der Familie verbringen können und damit ihre Lieben öfter sehen. Darüber hinaus aber sollte die Änderung auch einen Akzent setzen: Chinas Regierung wollte damit weg von der eher klassenkämpferischen Betonung des Tags der Arbeit - und hin zu traditionellen chinesischen Werten und Bräuchen.

 

 

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