Der stille Skandal

von Jana Kötter, 20. Februar 2014

Es ist ein Skandal, von dem nicht viele wissen. Ein Skandal, der erschüttert. Und der viel zu oft verheimlicht wird - noch heute, rund 20 Jahre später.


Im Mittelpunkt dieses Skandals stehen zwei Worte: Bluthandel. Und HIV.


Besonders in der zentralchinesischen Provinz Henan haben sich in den 90er Jahren Zehntausende arme Bauern mit dem Aids-Erreger HIV angesteckt. Sie hatten ihr Blut -aus Armut- an skrupellose Händler und staatliche Kliniken verkauft. Die mischten das Blut mit dem anderer Spender, entnahmen das Plasma und leiteten es wieder intravenös ein. HIV-Tests wurden nicht gemacht. Und so breitete sich das Virus massenhaft aus.

«Die Regierung wollte einfach nicht eingestehen, dass der Handel mit Blut die Ursache war», zitiert die Welt in einem Artikel vom 26. November 2013 den mittlerweile in den USA lebenden Aids-Aktivisten Yanhai Wan. Erst nach Jahren sei die Parteiführung eingeschritten. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden haben sich 55 000 Menschen in Henan mit HIV infiziert, andere Hochrechnungen gehen von mehreren Hunderttausend Infizierten aus.


Erst im Oktober 1998 hat die Zentralregierung reagiert und den Kauf und Verkauf von Spenderblut in der Volksrepublik China verboten. Mit dieser Maßnahme hoffte die Regierung, wenigstens eine der Quellen für die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids eindämmen zu können. In einigen chinesischen Provinzen lag der Anteil der freiwilligen Blutspenden laut Spiegel (42/1998) damals gerade mal bei zehn Prozent, die übrigen 90 Prozent ihres Bedarfs mussten die Kliniken von häufig dubiosen Handelsorganisationen beziehen.


Der Skandal ist einer der dunkelsten und am wenigsten beleuchteten in der Geschichte Chinas. Erst langsam räumen betroffene Provinzen offen das Ausmaß des Skandals ein. Ganze Dörfer sollen infiziert sein. Couragierte Aktivisten machen immer wieder auf die damals Jahre lang vorherrschende Problematik aufmerksam.


Ihr Kampf zahlt sich aus, so scheint es nun. In den vergangenen Jahren hat China viel Lob für seine Aids-Politik geerntet. «China kann große Erfolge vorweisen. Die Zahl der Neuinfektionen wurde weitgehend stabilisiert», zitiert die Welt die Programmkoordinatorin der zuständigen Abteilung der Vereinten Nationen (UNAIDS), Hedia Belhadj. Experten hatten anfangs zehn Millionen HIV-Infizierte bis zum Jahr 2010 in China befürchtet. Mit 780000 Betroffenen ist nach Angaben der UN und chinesischer Behörden die Zahl bis heute weit darunter.

Und auch für die Kranken selber hat sich die Situation deutlich verbessert. Laut den Behörden sind 90 Prozent aller chinesischen Aids-Kranken gesundheitlich versorgt, sie erhalten Medikamente, die den Krankheitsverlauf aufhalten sollen. Auch wenn das angesichts ihrer tragischen Ansteckungsgeschichte oftmals nur ein kleiner Trost ist.

 

 

Aids-Report des chin. Gesundheitsministeriums, 2012 (Englisch)
China-Blog_Der stille Skandal_Anhang.pdf
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