Die Wirtschaft boomt - und dann?

von Jana Kötter, 27. Januar 2015

 

Jahrzehnte lang ist China gewachsen wie kein anderes Land der Erde – doch die industrielle Aufrüstung hat schwerwiegende Gesundheitsfolgen mit sich gebracht: Luft- und Wasserbelastung lassen die Krebsraten an vielen Orten hochschnellen.

 

Lungenkrebs, Schlaganfälle, Herzinfarkte, chronische Lungenleiden: Die Palette der Krankheiten, die in China vielerorts zum Normalfall werden, ist lang. Experten sind sich dabei schon lange einig, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Rekord-Wachstum der vergangenen Jahrzehnte (verbunden mit dem Aufkommen von großen Fabriken und der rücksichtslosen Ausbeutung der Natur), der aktuell mangelhaften Luft- und Wasserqualität und den Krankheiten besteht.

 

Allein im Jahr 2012 sind 670.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung in China gestorben, zeigt eine neue Studie. Und das Problem wird weiter wachsen: Mehr als 90 Prozent der 190 Städte in China, die ihre Luftwerte melden, überschreiten aktuell die zulässigen Smog-Grenzwerte.

 

Ein Beispiel für einen Ort, der die gesundheitlichen Folgen des wirtschaftlichen Aufschwungs besonders spürt, ist Zhimuzu – im Volksmund bereits „Ort der Witwen“ genannt. Mehr als 10 Prozent der insgesamt 1580 Bewohner ist an Krebs erkrankt, immer mehr junge Menschen sind darunter: Der jüngste Krebspatient des Dorfes war 32 Jahre alt.

 

Jahrzehnte lang sind die Bewohner bereits den Abgasen des umliegenden Industriegebiets ausgesetzt, zehn große Schornsteine blasen jeden Tag ihren Dreck in die Luft. Die Folgen dieser Industrieverschmutzung gelten in Zhimuzu als häufigste Todesurache, berichtet nun Global Times. Neun Prozent der Haushalte seien von verwitweten Frauen geführt.

 

Tatsächlich würden die Patienten aus dem an das Industriegebiet grenzenden Dorf bei weitem Patienten aus anderen Gebieten von Zhuzhou überwiegen, zitiert das Magazin einen Arzt des Zhuzhou Krebs-Hospitals.

 

Ein weiteres Problem des Dorfes: der Bleigehalt im Blut der Bewohner. Aufgrund der Wasserbelastung durch die Industrieabfälle weisen insbesondere Kinder eine zu hohe Konzentration des Schwermetalls auf; so wiesen einige der 300 Kinder in der Region Bleiwerte von bis zu 130 Prozent des maximal zulässigen Gehalts im Blut auf.

 

Global Times zufolge wurde von der Lokalregierung bereits ein Umsiedlungsprogramm für die Bewohner des Dorfes angestoßen (was natürlich den Menschen, nicht jedoch der weiterhin verschmutzten Umwelt geholfen hätte) – aus Kostengründen sei dieses jedoch eingestellt worden.

 

 

Zurück zum China-Blog
 

 

 

Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

Keinen Blog-Beitrag mehr verpassen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Jana Kötter 2014