Ein schmutziger Start in die neue Woche

von Jana Kötter, 14. April 2014

Die Woche in China beginnt für die Einwohner vieler Regionen mit schlechten Nachrichten: In Peking ist die Luftverschmutzung fast so gravierend wie in Rekordzeiten; in der nordwestchinesischen Stadt Lanzhou wurde bekannt, dass das Trinkwasser vergiftet ist. Wirklich gewundert hat sich darüber aber wohl niemand.


Für die Bewohner Pekings ist es eigentlich nichts Neues, langsam aber sicher gewöhnt sich sogar der letzte Hinzugezogene an die immer wiederkehrenden Warnungen zu Smog und Luftverschmutzung in Chinas Hauptstadt. So auch an diesem Montagmorgen: Pünktlich zum Start in die Woche prangt die 320 auf der Anzeige des Beijing Air Quality Index (AQI), jenem Live-Instrument, das die Luftqualität in der Metropole regelmäßig auswertet. An diesem Montag bedeutet das, wie so oft, die Farbe Knallrot. Und die Warnung „hazardous“ – „gefährlich“.



In Shanghai, rund 1300 Kilometer weiter im Süden des Landes, sieht die Situation ähnlich aus. Die Farbe ist nicht ganz so rot, die Warnung heißt lediglich „ungesund“, der AQI liegt bei „nur“ 173. Werte bis zu 50 gelten als gut, ab 100 wird es gefährlich für Kinder, Alte und Schwangere, ab 150 riskiert jeder, der sich an der Luft bewegt, gesundheitliche Probleme. Frühling kann man das nicht nennen – ist es doch die Zeit, in der wir in unseren Breitengraden so viel wie möglich an der frischen Luft sind, im Park entspannen, spazieren, joggen, grillen.


In Lanzhou, der Hauptstadt der nordwestchinesischen Provinz Gansu, haben die Menschen zum Wochenauftakt jedoch ganz andere Probleme. Die Supermarktregale, in denen sich sonst Wasser, Milch, Saft und Bier findet, sind leer, kaum ist noch ein vereinzeltes Fläschchen zu finden. Bereits am Freitag wurde hier bekannt, dass krebserregendes Benzen im Leitungswasser gefunden wurde – und zwar in 20mal höherer Konzentration als es die nationalen Sicherheitsbestimmungen erlauben.


Rund 1500 Kilometer südwestlich von Peking waren die Menschen über das Wochenende dazu angehalten, kein Leitungswasser zu trinken – ob die Gefahr nun bereits vorüber ist, da ist sich niemand ganz sicher. "Lanzhou hat das kontaminierte Wasserrohr stillgelegt und Karbon zugefügt, das das Benzen absorbieren soll”, gab die Lokalregierung laut der Nachrichtenagentur Reuters in einer Stellungnahme bekannt.


Erste Ermittlungen ergaben, dass die Verschmutzung von der ansässigen Industrie verursacht wurde. Und diese Nachricht dürfte die Menschen in Lanzhou wohl ebenso wenig überrascht haben wie die Luftverschmutzung die Bewohner in Peking. Denn die 3,6 Millionen-Metropole Lanzhou zählt zu den am schlimmsten verschmutzten Städten Chinas. Immer wieder kommt es zu Industrieunfällen, die Chemikalien ins Grundwasser führen – und damit für Warnungen in der Bevölkerung sorgen. Erst vergangenen Monat haben Anwohner einer großen Industriefirma von einem komischen Geruch gesprochen, als sie Leitungswasser verwendeten. Der Grund: eine zu hohe Konzentration von Ammoniak – allerdings noch im Rahmen der gesetzlichen Sicherheitsgrenzen, so die örtlichen Instanzen. Die Alarmstufe war also –um mit dem AQI zu sprechen- nur leicht gesundheitsgefährdend, aber noch nicht knallrot.

 

 

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