Eine Einführung in die TCM

von Jana Kötter, 18. April 2015

 

Immer mehr Menschen suchen bei Erkrankungen nach einer Alternative zur westlichen Schulmedizin – und werden dabei immer öfter bei der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) fündig. Doch was steckt eigentlich hinter Qi, Meridianen, Akupunktur und Co.?

 

Schon vor Jahrtausenden hat die traditionelle chinesische Medizin entdeckt, dass die menschliche Gesundheit gleichzusetzen ist mit dem harmonischen Fließen der Lebensenergie, dem sogenannten Qi 氣. Die Übersetzungen ins Deutsche variieren von Energie, Atem oder Fluidum bis hin zu Hauch, Äther, Temperamen oder Atmosphäre; denn das Konzept, dass eine unsichtbare Energie durch den Körper zirkuliert, ist der westlichen Schulmedizin fremd. In der Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) jedoch stellt das Qi die zentrale Größe dar.

 

Das Qi zirkuliert ununterbrochen auf den sogenannten Meridianen, Energie-Leitbahnen, die nach chinesischer Auffassung den gesamten Körper durchziehen. Stockt diese Zirkulation, so kommt es – vereinfacht ausgedrückt – zur Krankheit.

 

In Stocken gerät dieser Qi-Fluss, wenn der Körper nicht mehr im Gleichgewicht ist, wenn die Balance von Yin und Yang nicht mehr gewahrt ist. Yang – das Männliche, das Helle, das Kraftvolle – und Yin – das Weibliche, das Dunkle, das Langsame – sind untrennbar miteinander verknüpft, sie bedingen einander und können ohne einander nicht existieren. Jeder Mensch und jedes Ding hat immer Yang und Yin in sich. So beispielsweise der Tag: Die Nacht ist Yin, der Tag ist Yang; das Jahr: Der Sommer ist Yang, der Winter ist Yin; und so weiter.

 

Die TCM geht davon aus, dass immer mehrere Faktoren zusammentreffen, wenn Yang und Yin ins Ungleichgewicht geraten und so eine Krankheit entsteht. Zu diesen Faktoren können äußere Ursachen wie beispielsweise Kälte, aber auch innere Ursachen wie Emotionen (Zorn, Traurigkeit, Angst etc.) zählen.

 

Die Emotionen sind untrennbar mit dem Körper verbunden. Denn Natur, Körper, Geist und Seele sind im Verständnis der TCM eins. Der Mensch ist nur ein Teil im Gesamtgefüge des Kosmos und der Natur; er agiert als untrennbares Glied in einer Kette, in der alle Teile ineinander greifen und aufeinander einwirken.

Dieses Verständnis,  dass Krankheiten innerhalb des Organismus ihren Ursprung auch außerhalb, beispielsweise in zu viel sorgenvollem Grübeln oder einer diffusen Angst haben, kommt in der westlichen Schulmedizin erst langsam zu Tage.

 

In der TCM lassen sich die Organe des Körpers jeweils eher dem Yin oder dem Yang zuordnen. Währen die Yin-Organe Milz,  Herz, Lunge, Leber und Niere vor allem für die Speicherung der in der Nahrung enthaltenen Stoffe zuständig sind, sorgen die Yang-Organe Magen, Dünndarm, Dickdarm, Gallenblase und Blase eher für deren Aufspaltung, Umwandlung und Ausscheidung.

 

Darüber hinaus gibt es jedoch ein Organ, das der westlichen Schulmedizin völlig fremd ist:  der Dreifache Erwärmer. Er ist in der TCM quasi ein Organ mit Funktion – aber ohne spezifische Form. Das heißt, er korrespondiert nicht mit einem Organ in westlich-physiologischem Sinn, sondern setzt sich anatomisch gesehen aus mehreren Organen zusammen. Der Dreifache Erwärmer, der als Yang-Organ gilt, spielt eine wichtige Rolle bei der Verteilung des Qis im Körper und unterstützt alle anderen Organe bei ihren Funktionen. Er regiert außerdem alle Schutzfunktionen und koordiniert Energiekreisläufe untereinander.

 

Die große wissenschaftliche Leistung der alten Chinesen war die Entdeckung der (unsichtbaren) Energieleitbahnen des menschlichen Körpers, der sogenannten Meridiane.

 

Diese Meridiane, auch Energieleitbahnen oder Leitbahnen genannt, durchziehen den Organismus wie ein komplexes Straßennetz. Wie der Name bereits verrät, sind sie dazu da, Energie zu leiten: Sie transportieren das Qi durch den Organismus und sorgen so für eine ausreichende Versorgung aller Organe und Gewebe. Auch wenn die Leitbahnen die Kanäle oder Wege darstellen, auf denen Qi und Blut im Körper befördert werden, sind sie nicht identisch mit den Blutgefäßen, wie sie die westliche Schulmedizin definiert. Vielmehr bilden sie ein unsichtbares Netzwerk, da alle Grundsubstanzen und Organe miteinander verknüpft.

Jeder Meridian ist dabei eng verknüpft mit einem Körperorgan. So gibt es beispielsweise einen Lungen-, einen Dickdarm-, einen Herz-Meridian.  Aus der Sicht der Akupunkturlehre stehen die Meridiane und ihr zugeordnetes Organ in enger Wechselbeziehung zueinander, d.h. Organstörungen können auf einen gestauten Energiefluss auf dem zugeordneten Meridian zurückzuführen sein und umgekehrt können energetische Störungen auf dem zugeordneten Meridian das entsprechende Organ beeinträchtigen.

 

Insgesamt gibt es zwölf Hauptleitbahnen, die sich paarig und symmetrisch im Körper finden.

Die Tatsache, dass die Meridiane in gewisser Weise das Innere mit dem Äußeren verbinden, ist die Grundlage für die Akupunkturtheorie. „Eine Behandlung an der Oberfläche des Körpers gelegener Punkte wirkt sich auf das Innere des Körpers aus“, schreibt Ted J. Kaptchuk in „Das große Buch der chinesischen Medizin“.

 

Die Grundlage der Akupunktur ist die Annahme des Qi, das durch die sogenannten Meridiane durch unseren Körper fließt. Die Behandlung mittels Akupunktur zielt dabei auf eine Regulation des Qi. Dass das Qi auf den Leitbahnen kursiert, ist dabei ein wichtiger Punkt: So führt beispielsweise die Magen-Leitbahn vom Gesicht bis hinunter zum Fuß, d.h. auch ein Punkt am Fuß hat eine Verbindung zum Magen, auch wenn das der westlichen Medizin bzw. unserer westlichen Betrachtungsweise erst einmal fremd erscheint.

Dabei ist die Akupunktur keinesfalls die einzige Behandlungsmethode, um das Qi reibungslos auf den Meridianen kursieren zu lassen.

 

Zur Behandlung kennt die TCM fünf sogenannte Säulen:

  • Kräuterheilkunde / Arzneimittellehre
  • Akupunktur und Moxibustion
  • Ernährung
  • Tuina-Massage
  • Bewegungslehren wie Qi Gong

 

In vielen dieser Säulen finden sich Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West: Die Kräuterheilkunde spielt beispielsweise sowohl in der TCM als auch in der westlichen Alternativmedizin eine große Rolle. Seit Jahrtausenden Vertrauen beide Kulturen auf die Wirkung von Heiltees, Salben oder Tinkturen.

 

In der TCM schließt sich hier übrigens der Kreis zu der Theorie der Akupunkturpunkte: Schon im 13. Jahrhundert bereiteten chinesische Naturheilkundige Arzneien aus Pflanzenkombinationen, die dann wiederum Bezug zu den Akupunkturleitbahnen hatten – und damit Qi-Blockaden auflösen konnten.

 

 

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