MERS: China ist in Alarmbereitschaft

von Jana Kötter, 4. Juni 2015 - erschienen in der Ärzte Zeitung

 

Südkorea kämpft gegen die weitere Aubreitung des Middle East Respiratory Sydrome (Mers) – was von China aufmerksam beobachtet wird. Hier hat man aus dem Sars-Ausbruch 2002 gelernt.

 

Die weiter steigende Zahl der Patienten mit der Atemwegserkrankung Mers in Südkorea sorgt auch in China für eine erhöhte Alarmbereitschaft.

 

Von Mittwoch auf Donnerstag kletterte die Zahl der bestätigten Fälle von 30 auf 35, wie das südkoreanische Gesundheitsministerium mitteilte. Mehr als 1600 Menschen sind unter Quarantäne gestellt, über 500 Schulen sind geschlossen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

 

In China weckt der Ausbruch der Atemwegserkrankung Erinnerungen an die Sars-Pandemie 2002. Damals breitete sich die Coronavirus-Erkrankung von Südchina ausgehend binnen weniger Wochen über nahezu alle Kontinente aus und forderte innerhalb eines halben Jahres fast 1000 Menschenleben. Experten warfen der chinesischen Regierung vor, dass sie die Erkrankung zu spät an die WHO meldete und Informationen bewusst zurückgehalten habe.

 

„Der Sars-Ausbruch war für China zweifellos ein traumatisches Ereignis. Es führte aber dazu, dass der Staat seine Anstrengungen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten, beispielsweise durch die Einrichtung neuer Forschungsinstitute und neuer Forschungsprogramme, umgehend massiv verstärkte“, sagt Professor Hans-Dieter Klenk vom Institut für Virologie an der Philipps-Universität Marburg. Als Leiter der deutschen Delegation nahm er 2003 am Chinesisch-Deutschen Symposium zur Sars-Forschung in Peking teil. Seither arbeiten deutsche und chinesische Mediziner gemeinsam an der Forschung zur ebenfalls durch Coronaviren ausgeloesten Lungenkrankheit.

 

„Eindrucksvoller Beleg für die Fortschritte, die China auf diesem Gebiet seitdem gemacht hat, ist die schnelle Identifizierung des Influenzavirus A/H7N9, die chinesischen Wissenschaftlern bereits 2 Monate nach seinem ersten Auftreten im Jahr 2013 gelang“, lobt Klenk.

 

Auch Linlin Wu von der für die Volksrepublik China verantwortlichen WHO-Regionalstelle beobachtet, dass China seit dem Sars-Ausbruch gelernt hat. „China hat aus Sars viele wichtige Lektionen gelernt. Es hat heute gut etablierte Verfahrensweisen zur Identifikation, Isolation, Beobachtung und zur Versorgung der Mers-verdächtigen Patienten.“

 

Bisher wurde im Reich der Mitte, das durch das Ostchinesische Meer von  Südkorea getrennt wird, ein Mers-Fall bestätigt: Der Sohn eines Seouler Mers-Patienten hatte das Virus nach China eingeschleppt, er wird in der südchinesischen Provinz Guangdong behandelt. Wie die Gesundheitsbehörden am Mittwoch mitteilten, hat sich sein Zustand bis auf ein leichtes Fieber verbessert.

 

72 der insgesamt 78 Menschen, die im gleichen Linienbus wie der Infizierte gefahren waren, befinden sich in Quarantäne. Weitere sechs Menschen werden mit Hilfe der Polizei gesucht.

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt auf ihrer Website vor einer weiteren Verbreitung von Mers. Angesichts der Reihe von Kliniken, die sich um den ersten dokumentierten Mers-Patienten im Land gekümmert hätten, „können weitere Fälle erwartet werden". „Ein solch großer Ausbruch außerhalb des Nahen Ostens ist eine neue Entwicklung", heißt es weiter. Laut Wu rechnet die WHO damit, dass zumindest in Korea weitere Fälle bekannt werden.

 

Aktuell wird jedoch keine Empfehlung für verstärkte Einreisekontrollen oder verschärfte Import-/Export-Bedingungen ausgesprochen.

 

Auch Klenk hält es zwar für „durchaus möglich“, dass das Mers-Coronavirus aus seinem Ursprungsland, der arabischen Halbinsel, erneut in andere Regionen eingeschleppt wird. Ob sich die Krankheit dann jedoch ausbreiten kann, müsse man differenziert betrachten. „In einem Land mit einem funktionierenden Gesundheitssystem wird man den Ausbruch unter Kontrolle halten können, wie dies im Fall von Sars etwa in Kanada der Fall war“, so der Virologe. „Taucht der Erreger in einer dicht besiedelten Region mit unterentwickelter Infrastruktur auf, kann der Ausbruch jedoch katastrophale Folgen haben. Auch in Asien gibt es eine ganze Reihe von Ländern, wo ein Mers-Ausbruch höchst alarmierend wäre.“ China mit seinem heutigen Entwicklungsstand gehöre aber wohl nicht mehr zu diesen.

 

 

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