Nicht kleckern, sondern klotzen

von Jana Kötter, 29. April 2014

Große Autos waren auf der Peking Auto Show vergangene Woche der Renner, davon hat sich auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bei seinem Besuch überzeugen können. Die umweltfreundlichen Plug-in-Hybride, von denen der Vizekanzler sichtlich begeistert war, scheinen in China mehr zur Beruhigung der Umweltdebatte zu dienen. Denn interessiert ist die neue Elite des Landes vor allem an den großen Nobelkarossen.

 

In Schwellenländern wie China, in denen die aufsteigende Mittel- und Oberschicht ein oft ungehemmtes Verhältnis zum Luxus pflegen, sind sogenannte Sport Utility Vehicles (SUVs, auf Deutsch etwa Sport- und Nutzfahrzeuge) derzeit besonders beliebt. Laut Spiegel Online gibt der Autoverband "China Association of Automobile Manufacturers" zwar keine genauen Zulassungszahlen für die ersten beiden Monate des Jahres bekannt, er schreibt aber, dass der Markt für SUVs und Vans überproportional stark wächst. "SUVs transportieren Reichtum", erklärt ein Verkehrssoziologe dem Magazin. "Alles an ihnen ist größer. Und was größer ist, ist auch teurer."

 

Auch in Deutschland ist das Geschäft mit den SUVs das Segment, das am schnellsten zulegt. Im vergangenen Jahr waren laut Kraftfahrtbundesamt mehr als 15 Prozent aller neu zugelassenen Autos mit Vierradantrieb oder zumindest Geländewagenoptik unterwegs – Tendenz steigend.

 

In Ländern wie China, in denen die Nachfrage nach Autos extrem schnell steigt (allein Volkswagen hat hier vergangenes Jahr 3,3 Millionen Autos verkauft), wird solch ein Trend dann besonders interessant. Denn auf der Pekinger Automesse haben die meisten chinesischen Kunden die umweltfreundlichen Alternativen, von denen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bei seinem Besuch so angetan war, links liegen gelassen. Sie sind direkt zu den Gelände- und Sportwagen, den Limousinen und Nobelschlitten gedrängt.

 

"Die Chinesen bevorzugen große Autos", sagt Volkswagen-China-Vorstand Jochem Heizmann dazu. "Was verbaut werden kann an Luxus, das wird verbaut", bestätigt BMW. Gefragt sind viel Chrom, viel Holz. Innen bevorzugt der chinesische Kunde Beige, außen dürfen es auch schon mal knalligere Farben sein. Ganz nach dem Motto „Nicht kleckern, sondern klotzen“ tragen sie ihren neu gewonnen Reichtum so zur Schau – auch wenn die Lüftung im SUV dann besonders hoch aufgedreht werden muss, um vom Smog auf den Straßen nichts mitzubekommen.

 

 

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