Peking - ein unbewohnbarer Fleck Erde

von Jana Kötter, 15. Februar 2014

Dicke Wolken hängen über der Stadt, die Hochhäuser in der Ferne sind nur zu erahnen. Zu dicht ist der graue Nebel, der sie verschleiert. Für menschliches Leben ist Peking nicht geeignet – das will man an Tagen, an denen der Smog das Bild der Stadt fest im Griff hat, meinen.


Für menschliches Leben ist Peking nicht geeignet – das sagt nun aber auch erstmals in dieser Deutlichkeit eine Studie, und noch dazu eine chinesische. In einem soeben veröffentlichten gemeinsamen Blaubuch der Shanghaier Akademie für Sozialwissenschaftler und des Pekinger Sozialwissenschaftlichen Akademischen Verlags stellen vom Staat bestellte Wissenschaftler das in aller Deutlichkeit fest, wie die Süddeutsche Zeitung heute meldet. Wörtlich soll es in dem Bericht heißen, Peking sei wegen der Luftverschmutzung "für Menschen kaum bewohnbar".


Doch was ist das überhaupt, Smog?


Der Begriff Smog wurde erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts gebraucht, um die Luftverschmutzung zu beschreiben, die durch die mit Kohle betriebenen Fabriken in London verursacht wurde. Der Begriff ist eine Wortschöpfung, die sich aus „Smoke“ (Rauch) und „fog“ (Nebel) zusammensetzt. Heute bezeichnet man damit den Rauch, der aus Fabrikschornsteinen oder Auspuffrohren kommt und eine graugelbe Wolke bildet, die sich an windstillen Tagen über großen Städten festsetzt – so wie in Peking oder Wuhan.


In diesen Millionenstädten braut sich regelmäßig ein dickes, graues Gemisch zusammen, bestehend aus den Verbrennungsrückständen von Kohle und Autoabgasen. In Höchstzeiten ist von den Hochhäusern dann kaum mehr etwas zu erkennen, nur die Industrieschornsteine, die weiter ihren Dreck in die Luft pusten, sind wage zu erkennen.


Wuhan gehört, wenn es um die Feinstaubbelastung im Land geht, regelmäßig zu den gesundheitsbedrohenden Werten. Und auch Peking leidet regelmäßig unter dem Smog. Heute erreichten die Feinstaubwerte in Peking 464 Mikrogramm pro Kubikmeter, in Höchstzeiten waren es 900 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. International gilt ein Grenzwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter als vertretbar.


Die Luft, die voll Chemikalien ist, lässt sich schwer atmen und kann gesundheitliche Probleme wie Asthma auslösen. In besonders schlimmen Zeiten spricht die Zentralregierung deswegen immer wieder Warnungen aus, dass die Bewohner Pekings keinen Sport an der Luft treiben sollen und –wenn möglich- ganz in ihren Wohnungen bleiben sollen. Immer wieder suchen Menschen an solchen Tagen mit Atem- und Kreislaufproblemen Hilfe.


Nicht nur Umweltschützer fordern die Politiker deswegen auf, endlich etwas gegen die Luftverschmutzung zu tun. Und die haben das Flehen scheinbar erhört: So kündigte Peking Programme zur Säuberung der Luft an, die Hunderte von Milliarden Dollar kosten sollen. Mehr als 300 Dreckschleudern sollen laut SZ-Bericht bis Ende des Jahres geschlossen werden.


Kritiker hingegen betonen das Wörtchen „scheinbar“. Denn leere Versprechen hat es, insbesondere im Umweltschutz, schon oft gegeben. Und der Verbrauch der Kohle, die als Hauptverursacherin des chinesischen Smog gilt, soll Prognosen zufolge noch bis 2020 wachsen.


Und so bleibt vielen Pekingern nichts anderes übrig, als in Peking zu bleiben, den Smog weiter zu atmen, und an besonders schlimmen Tagen womöglich im Haus zu bleiben. Im Wissen, dass ihre Stadt an solchen Tagen für Menschen eigentlich nicht bewohnbar ist.

Glückskeks der Woche

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Konfuzius

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