Pekings Warten auf saubere Luft

von Jana Kötter, 27. Februar 2014

Nach Tagen des Verbarrikadierens, des Abschottens in ihren Wohnungen, des Tragens von Atemschutzmasken, nach Tagen der Angst, Wut und Hilflosigkeit, dürfen die Bewohner Pekings nun endlich wieder auf saubere Luft hoffen. Doch auch nach seinem Abzug wird der Smog China weiter im Griff haben.


„Das Klima im Nordosten Chinas folgt gewissen Gesetzen und meteorologischen Zyklen“, schreibt Bernhard Zand für Spiegel Online. „In der Regel dauert ein Smog-Durchgang gut eine Woche lang, dann löst sich die Inversion, es regnet oder, noch besser, es kommt ein Sturm aus der Inneren Mongolei und fegt binnen Stunden den Dreck aus der Hauptstadt.“


So soll die graue, gesundheitsgefährdende Suppe auch diese Woche ein Ende haben, denn für heute ist Regen angesagt. Bereits gestern Abend brachte die Kaltfront im Norden und Osten Chinas erstmals wieder Wind und leichten Regen, so dass die hohen Schadstoffkonzentrationen in der Luft zurückgingen – von 400 bis 500 auf 160, was zwar immer noch dem Sechsfachen des von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Grenzwerts entspricht, Peking jedoch bereits aufatmen lässt.


Auch die Smog-Alarmstufe „Orange“, die zweithöchste existierende Alarmstufe, wurde wieder aufgehoben.


Für die Menschen in Peking dürfte in den kommenden Tagen wieder ihr normaler Alltag weitergehen – wenn auch in dem neu entstehenden Bewusstsein, dass Umweltschutz mehr sein muss als ein politisches Programm. In China ist der Smog inzwischen ein anerkanntes Problem. Wer das vertuschen will, macht sich lächerlich.


Und auch für die Politik, die sich in diesen Tagen erneut den kritischen Beobachtern der internationalen Gemeinschaft stellen musste, wird in den kommenden Tagen der Alltag weiter gehen. Dass der Smog darin eine zentrale Rolle spielen und dieser die Regierung auch nach seinem Verschwinden weiter beschäftigen wird, davon ist angesichts des neuen, wenn auch zunächst zaghaft entstehenden Umweltbewusstseins auszugehen.

 

Der Druck auf die Regierung wächst mit jedem Katastrophen-Winter weiter - von außen, aber auch von innen, aus den Reihen der eigenen Bevölkerung. Die Wetterzyklen der Region mögen den Smog regelmäßig verwehen, doch der Gleichmut, mit dem die Bevölkerung die Gesundheitsbelastung erträgt, ist nicht unendlich. Der immer wieder zurückkehrende Feinstaub führt deutlich vor Augen, dass der Umweltschutz in China ein wichtiges Thema ist. Und dass die Regierung endlich handeln muss, um Pekings Luft dauerhaft rein zu halten.

 

 

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