Smog lässt Umweltbewusstsein wachsen

von Jana Kötter, 24. Februar 2014

Der graue, dick über den Häusern liegende Smog verändert in diesen Tagen nicht nur das Bild chinesischer Großstädte – er verändert auch das Bewusstsein vieler Chinesen. So gehört die Feinstaubbelastung neben der Wasserverschmutzung zu den Umweltproblemen, die die Bevölkerung am meisten fürchtet, wie nun eine neue Studie der chinesischen Umweltschutzbehörde ergab.


Mehr als 80 Prozent der Befragten äußerten dabei tiefe Besorgnis über die Umweltverschmutzung im Land. 46 Prozent konnten sogar das Datum des internationalen Umwelttages nennen, der seit 1972 jährlich am 5. Juni ausgerufen wird. Ebenso viele haben in ihren Mobilfunktelefonen eine Hotline eingespeichert, unter der Umweltsünder angezeigt werden können.


Mehr als 20.000 Chinesen aus 50 Regionen und Städten haben an der repräsentativen Umfrage teilgenommen, die seit Juli vergangenes Jahres durchgeführt wurde.


Bei einem Blick auf diese Zahlen wird schnell deutlich, dass die Zeiten des sorgenlosen Umweltverschmutzens vorbei sind - zumindest in den Köpfen der Menschen. Gilt es jedoch, den Gedanken Taten folgen zu lassen, sieht die Frage nach dem Umweltschutz ganz anders aus. Ganz gleich, ob mit eigenen Taten oder ihrem Geld, wenn es darum geht, Umweltschutz aktiv umzusetzen, seien viele Chinesen nach wie vor nicht bereit dazu, zitiert China Daily den Wissenschaftler Hongchun Zhou, der für das staatliche Forschungszentrum für Entwicklung arbeitet. Mehr als 70 Prozent der Befragten geben demnach an, Umweltschutz liege in der Verantwortung der Politik – ein verheerender Irrglaube, den auch viele Menschen hierzulande vertreten.


Insbesondere ein Land wie China könnte, schon alleine aufgrund der schieren Masse an Menschen, gemeinsam ein Exempel statuieren, würde jeder einzelne seinen eigenen, ganz persönlichen Teil zum Umweltschutz beitragen. Ungleich vielen Europäern, die sich den Umweltschutz leisten könnten, die jedoch vom eigenen Lebensstil keine Abstriche machen wollen, steht Chinesen jedoch oftmals die Armut im Weg: Eine Alternative zu den veralteten Kohleöfen wäre zu teuer, oft fehlt entscheidendes Wissen.


Denn was die Studie auch offen gelegt hat, ist die –wenn auch keinesfalls neue Tatsache, dass die Bereitschaft zum Umweltschutz eindeutig mit dem Bildungsgrad Hand in Hand geht. Städter mit einem höheren Bildungsstand und höherem Einkommen haben demnach ein größeres Wissen über die Umwelt und damit verbunden ein stärkeres Bewusstsein für Umweltprobleme als die arme Bevölkerung auf dem Land – was für ein Land, in dem rund 800 Millionen der 1,3 Milliarden Menschen als Landbevölkerung zählen, natürlich fatal ist.

 

 

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