Vogelgrippe - was ist wahr, was ist unwahr?

von Jana Kötter, 5. Februar 2014

Chinese health authority says no proof has been found of human-to-human transmission of H7N9

— China Xinhua News (@XHNews), February 5, 2014

 

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hat heute früh getwittert, dass laut der chinesischen Gesundheitsbehörde keine Übertragung der Vogelgrippe von Mensch zu Mensch nachgewiesen werden konnte. Doch was ist davon wirklich zu halten?

 

Immerhin berichteten verschiedene Medien, in der ostchinesischen Provinz Zhejiang, die seit Jahresbeginn mehr als 40 H7N9-Patienten registrierte, sei bereits im November eine Infektion von Mensch zu Mensch aufgetreten sei. Keine Frage: Wie gravierend das Ausmaß der Vogelgrippe in diesen Tagen tatsächlich ist, ist derzeit noch nicht abzuschätzen. Und vor allem sollte man, um die Situation realistisch einzuschätzen, nicht den chinesischen Behörden trauen.

Denn die kommunistische Spitze in Peking ist bekannt, Zahlen zu schönen oder gar nicht erst herauszugeben - um das internationale Ansehen zu wahren, aber auch um national die Ruhe zu bewahren und mögliche Proteste zu vermeiden.

 

Gestern wurden erneut drei Todesfälle gemeldet, damit starben seit Jahresanfang bereits 26 Menschen am H7N9-Virus. Mehr als 110 Menschen infizierten sich, wie amtliche Medien berichteten.

 

Doch die offiziell gemeldeten Zahlen von Vogelgrippe-Erkrankten dürften in Wahrheit noch ein wenig höher liegen. Nicht nur, weil auch hier geschönt wird und viele Fälle von den offiziellen Behörden nicht als H7N9 gemeldet werden, sondern schon alleine deswegen, weil die Gesundheitsversorgung auf dem Land viel schlechter ist. Wenn hier jemand an hohem Fieber und Atemnot sitrbt, wird der Angehörige vielleicht gebührend verabschiedet - nicht jedoch geprüft, was der wahre Grund hinter dem Tod war.

 

Außerdem treten derzeit fast wöchentlich neue Mutationen des Virus auf, sodass auch die modernste Forschung in einigen Fällen ratlos bleibt. H10N8 beispielsweise, das erstmals im Dezember auftrat, könne sich möglicherweise leichter unter Menschen ausbreiten als andere Vogelgrippeviren, warnen chinesische Experten im Medizin-Fachjournal „Lancet“.

 

Ohne Zweifel: Das Thema Vogelgrippe bewegt - nicht nur meine Kollegin, die derzeit überlegt, ob sie die gebuchte China-Reise antreten soll oder nicht. In knapp sechs Wochen würde es losgehen. Wenn da doch nicht diese Unsicherheit wäre...

Das Auswärtige Amt hat noch immer keine Reisewarnung ausgesprochen, gleichzeitig klettert die Zahl der Infizierten in die Höhe. Und das, obwohl die Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest noch nicht einmal vorüber ist. Sollte eine Übertragung von Mensch zu Mensch doch möglich sein, könnte die größte Völkerwanderung der Welt noch einmal für einen immensen Schub sorgen.

 

Denjenigen, die einer Reise beispielsweise aus geschäftlichen Gründen nicht aus dem Weg gehen können, rate ich deshalb, die Tipps des Auswärtigen Amtes zu befolgen: Geflügelmärkte meiden, Fleisch nur ganz durch verzehren (oder, um auf Nummer sicher zu gehen, ganz aus dem Speiseplan streichen!) und die Hände regelmäßig waschen. Auch ein Mundschutz kann nicht schaden!

 

Und denjenigen, die eine Chance auf eine Zahlung durch die Reiserücktrittsversicherung haben oder von der gebuchten Reise noch zurücktreten können, kann ich sagen: Hört auf Euer Gefühl. Wie gravierend die Situation im Land tatsächlich ist, ist derzeit nur sehr schwer einzuschätzen. Fliegt Ihr in den weniger betroffenen Norden und habt keine Bedenken bei all den Negativ-Schlagzeilen, dann fliegt - unter Beachtung der Verhaltensregeln des Auswärtigen Amtes.

Wenn Ihr aber, ganz gleich ob auf dem Weg in den betroffenen Süden oder eine bisher noch nicht erfasste Region des Landes, ein ungutes Gefühl bei der Sache habt und Euch die Vogelgrippe-Meldungen Angst machen, dann sagt Eure Reise ab. Denn das Erlebnis China ist für viele Menschen eine einmalige Gelegenheit, und die solltet Ihr in vollen Zügen genießen können!

 

Die Angst und Unsicherheit über die Frage, was von dem Gehörten wahr und was unwahr ist, ist kein guter Reisebegleiter.

 

 

Zurück zum China-Blog

 

Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

Keinen Blog-Beitrag mehr verpassen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Jana Kötter 2014