Wenn Kinder zu Waren werden

von Jana Kötter, 19. Februar 2014

Waisen- und Kinderhandel – in China sind beide ein großes Problem. Angefeuert durch die strenge Ein-Kind-Politik und die noch immer herrschende Armut auf dem Land, die es schwer machen kann, ein „unnützes“ Mädchen großzuziehen, sieht sich manch ein Elternpaar gezwungen, das eigene Kind zur Adoption freizugeben. Sind jedoch gar keine Eltern mehr da, die sich um die Kinder kümmern können, so kommen sie in eines der zahlreichen Waisen- und Kinderheime der Volksrepublik. Von dort aus werden die Kinder dann oft regelrecht verkauft – und zwar ins Ausland. Denn in China selber ist das Adoptieren von Kindern noch immer eine Seltenheit.


Bei einem Blick auf die Zahlen erkennt man schnell: Der internationale Kinderhandel boomt. 4405 der knapp 20000 weltweit adoptierten Kinder kamen laut einer Studie der University of Winchester aus China. Die Volksrepublik belegt damit Platz 1 der Weltrangliste, gefolgt von Äthiopien (3455 Kinder), Russland (3325 Kinder) und Kolumbien (1577).


Besonders tragisch ist es jedoch, wenn skrupellose Menschenhändler Gewinn aus dem Handel mit Kindern schlagen wollen. So wie die Doktorin Shuxia Zhang, die vor wenigen Monaten Schlagzeilen machte. Sie hatte den Eltern schwere gesundheitliche Beschwerden der Kinder vorgegaukelt und sie so dazu gedrängt, die Kinder „wegzugeben“. Hatten die einmal eingewilligt, verkaufte Zhang die Babys an Menschenhändler. Sieben Babys wurden so insgesamt verkauft, sechs von ihnen konnten wieder gefunden und an die Familien zurückgegeben werden, ein Kind ist verstorben. Für ihre Tat wurde Zhang zur Todesstrafe verurteilt.


Doch wohin kommen diese Kinder – ganz gleich, ob Waisen oder von ihren Eltern zur Adoption freigegeben? 9320 Kinder adoptierten Familien in den USA 2011 – Spitzenreiter, gefolgt von Italien mit 4022 adoptierten Kindern. Nach Deutschland kamen der Studie aus Winchester zufolge 525 Kinder – wie viele von ihnen aus China kommen, ist unklar.


Insgesamt jedoch ist der Trend der internationalen Adoptionen rückläufig. Der Grund: Immer mehr Nationen verbieten diese. Aus vielen islamischen Ländern ist der „Handel“ aus religiösen Gründen nicht erlaubt, und auch Russland hat die Kinder-Transfers im vergangenen Jahr untersagt. Und das, obwohl in Putins Reich unzählige Waisen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben.


Denn eines muss man trotz der immer wieder auftauchenden Schlagzeilen über kriminelle Netzwerke im Waisenhandel wissen: Für die Kinder hat die Adoption ins Ausland in all ihrer Traurigkeit oft etwas Gutes. Sie kommen im Bestfall in liebende Pflegefamilien, wo sie –wenn auch fernab von ihrer Heimat- eine behütete Kindheit erleben – mit Chancen auf Bildung und Entwicklung, wie sie ihnen in der armen Herkunftsregion oft verwehrt geblieben wäre.

 

 

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