Xinhua plädiert für Pressefreiheits-Grenzen

von Jana Kötter, 13. Januar 2015

 

„Charlie Hebdo“ erscheint morgen das erste Mal nach dem Terroranschlag, bei dem vergangene Woche zwölf Menschen starben. Auf dem Titel: eine Mohammed-Karikatur – ein Zeichen, dass sich die Journalisten der französischen Satirezeitschrift nicht einschüchtern lassen. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hingegen nutzt den Anschlag, um ein Plädoyer für die Grenzen der Pressefreiheit zu halten.

 

Mohammed weint. Er hält ein Schild in der Hand, auf dem steht "Je suis Charlie“. Nach dem blutigen Angriff vom vergangenen Mittwoch erscheint die nächste Ausgabe der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" mit einer Karikatur des islamischen Propheten auf dem Titelblatt. "Alles ist vergeben", lautet die Überschrift.

 

Der Geist von "Je suis Charlie", dem Slogan, mit dem seit Tagen Menschen weltweit für Meinungsfreiheit demonstrieren, bedeute auch ein "Recht auf Blasphemie", zitiert Spiegel Online Richard Malka, den Anwalt des Magazins zur Titelwahl. Seit 22 Jahren habe es keine Ausgabe der Zeitschrift gegeben, in dem nicht der Papst, Jesus Christus, Bischöfe, Rabbiner, Imame oder der Prophet Mohammed karikiert worden seien.

 

Doch genau das kritisiert die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua in der weltweiten Debatte um die Wichtigkeit der Meinungs- und Pressefreiheit, die der Anschlag ausgelöst hat, nun. Die chinesischen Journalisten nutzen den Anlass, um dafür zu plädieren, dass Pressefreiheit eben Grenzen haben sollte.

 

“Charlie Hebdo wurde mehrmals Ziel von Protesten und Racheakten wegen seiner kontroversen Karikaturen“, schreibt Ying Qiang, Chef von Xinhua in Paris, in einem Kommentar. Das Magazin sei bereits in der Vergangenheit für seinen „herzlosen“ Umgang mit Religionen kritisiert worden. „Sie scheinen nicht zu verstehen, dass die Welt verschiedenartig ist, und dass es Grenzen für die Pressefreiheit geben sollte.“

 

Der Kommentar, der die Ursache für viele globale Konflikte in „mangelndem Respekt vor kulturellen Unterschieden“ sieht, erschien am Sonntag, zeitgleich mit dem Trauermarsch, der sich in historischen Dimensionen seinen Weg durch die Pariser Innenstadt bahnte.

 

“Viele Religionen und ethnische Gruppen in dieser Welt haben ihre eigenen Bräuche und kulturellen Tabus. Gegenseitiger Respekt ist unverzichtbar, um friedvoll zusammenzuleben“, schreibt der Kommentator -  wohl auch mit einem Blick auf China, wo es beispielsweise in der Provinz Xinjiang immer wieder Zusammenstöße mit der dort lebenden uigurischen Minderheit gibt. „Uneingeschränkte und prinzipienlose Satire, Verletzungen und Redefreiheit sind nicht akzeptabel.“  

 

Der chinesische Botschafter in Frankreich, Kong Quan, distanzierte sich in einer kurzen Pressekonferenz von dem Xinhua-Kommentar, wie das Wall Street Journal schreibt. „Der Inhalt des Kommentars stellt die Sicht der Nachrichtenagentur Xinhua dar“, sagte dort ein Sprecher, die Volksrepublik China verurteile jede Form von Terrorismus.

 

Obgleich die Frage nach den Grenzen der Satire auch in Europa aufgekommen ist, ist das Fazit hierzulande doch ein völlig anderes – und entschiedeneres. Repräsentiert hat diese Meinung beispielsweise Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner bei Günther Jauchs Talkrunde "Der Terror-Schock": "Ich kann nur alle Journalisten und Verleger aufrufen, sich wirklich nicht einschüchtern zu lassen", sagte Döpfner dort. 

 

Die derzeit vielfach geäußerte Sorge um das vermeintliche Ende der Meinungsfreiheit - auch durch eine überzogene Angstreaktionen der Presse selbst – treibt den Springer-Chef um. "Meine Sorge ist, dass mittel- und langfristig vielleicht doch bei vielen Journalisten so etwas wie vorauseilender Gehorsam und falsche Vorsicht entsteht, es eine Veränderung in der Berichterstattung geben könnte", sagt Mathias Döpfner. "Das wäre fatal."

 

Dabei wandte er sich auch an die Medien-Konsumenten, also Leser und Fernsehzuschauer, sich ebenfalls nicht einschüchtern zu lassen. "Fordern Sie dieses Recht ein, dass wir den Terroristen diesen Triumph nicht gönnen", so Döpfner in der Talk-Sendung. "Wir wollen unser Verhalten nicht verändern, Meinungsfreiheit muss unangetastet bleiben."

 

 

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