Das Geheimnis des besonderen Tees

von Jana Kötter, 10. April 2014

Nicht nur die Engländer schätzen ihre „cup of tea“ – unzählige Menschen weltweit genießen von Zeit zu Zeit eine Tasse wohlschmeckenden Tee. Was viele jedoch nicht wissen: Noch heute wird dieser -zumindest bei Qualitätstee- zu einem großen Teil per Hand verlesen. Die beste Zeit dafür ist jetzt, Anfang April. Chinesische Arbeiterinnen im Süden des Landes haben deswegen alle Hände voll zu tun.


Saftig grün stehen die dichten Büsche am Hang. Lässt man das Auge den Berg hinauf schweifen, bilden sie –in Kombination mit den Steinwällen- ein ganz regelmäßiges Bild: grün, grau, grün, grau. Die terrassenförmig angelegten Teegärten gibt es in diesen Tagen vielerorts im Süden Chinas zu bewundern: in Hangzhou, Suzhou, überall in den Provinzen Zhejiang und Fujian.


Nur hier, in den Bergen, die 1200 Meter übersteigen, sind die optimalen klimatischen Bedingungen gegeben, um die Teepflanzen besonders zart, jedoch widerstandsfähig zu züchten – und damit Tee von besonderer Qualität zu erhalten. Dass China für diesen berühmt ist, daran besteht kein Zweifel. Das Land ist der weltweit wichtigste Teeproduzent, gefolgt von Indien, Sri Lanka, Kenia und der Türkei. Allesamt sind typische „Tee-Nationen“, das Heißgetränk spielt hier eine wichtige Rolle in der Kultur und dem alltäglichen Leben.

 

Jedoch exportieren die Produzenten auch große Mengen des kostbaren Tees – nach England, Russland, Pakistan, die USA und die arabischen Staaten. Denn auch hier schätzt man eine Tasse wohlschmeckenden und vor allem gesunden Tee.


In diesen Tagen startet die Ernte. Dass dafür die richtige Zeit gekommen ist, erkennt der Besucher vor allem in den frühen Morgenstunden: Dann ist das grau-grün Gestreifte des Hanges kaum zu erkennen, so dicht steht der Nebel zwischen den zarten Teepflänzchen. Bis in die Morgenstunden umhüllen die feuchten Nebelwolken die Teegärten in der sogenannten „Qingming“-Zeit (wörtlich übersetzt „klar und hell“), die jetzt, Anfang April, ist.


Um den kostbaren Nebel voll auszukosten, findet die Ernte noch in den frühen Morgenstunden statt. Denn der Morgentau, der sich an den Teeblättern abgesetzt hat, ist mit den verschiedensten Blütendüften der Natur angereichert – sodass man schon beim Pflücken eine erste natürliche Aromatisierung der Teeblätter erreicht.


Das Pflücken wird in der Regel von Frauen per Hand durchgeführt und bedarf einer langjährigen Erfahrung. Die maschinelle Ernte des Tees wird fast ausschließlich in Japan bei dem dort angebauten Grüntee praktiziert, im Süden Chinas findet die Ernte noch heute Jahr für Jahr traditionell per Hand statt.


Und das ist echte Knochenarbeit: Denn bei der Teeernte werden vorzugsweise nur die obersten Triebspitzen mit den zwei darunter liegenden Blättchen der Pflanze gepflückt. Hierbei müssen für ein halbes Kilogramm fertigen Schwarztee über vier Kilogramm frische Triebspitzen der Teepflanze gepflückt werden - die chinesischen Arbeiterinnen, die in diesen Tagen auf den Teegärten anzutreffen sind, haben also alle Hände voll zu tun. Doch nur so, in mühsamer Handarbeit, entsteht eben dieser ganz besondere Tee, der auf der ganzen Welt geschätzt wird.

 

 

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