Die Frucht der Reichen

von Jana Kötter, 17. März 2014

Kleine Obstkunde: Woher kommt die Mandarine, die nicht nur in der Vorweihnachtszeit zu unseren Lieblingsobstsorten zählt? Richtig – aus China.


Die eigentliche Mandarine ist dabei jedoch lediglich Namensgeber und „Urgroßmutter“ vieler anderer Verwandte, die wir noch viel lieber mögen. Denn sie schmeckt zwar aromatisch, oft aber auch ein wenig sauer. Und sie hat viele Kerne. Lieber mögen die Deutschen deshalb die „Enkelin“ Satsuma aus Japan, die Tangerine aus der Mittelmeerregion oder die Clementine, eine Mischung aus Mandarine und Pomeranze. Und sie alle nennen wir, ganz frei nach dem „Tempo“-Prinzip (so nennen wir immerhin auch Taschentücher jeglicher Marken) „Mandarine“ – obwohl ja eigentlich nur sie ursprünglich mal aus China zu uns kam.


Ganz gleich übrigens, für welche Verwandte der Mandarine man sich entscheidet, sie sind allesamt sehr gesund und voll mit Vitamin C, B1 und B2. Die weißen Fasern bitte nicht abkratzen, sie stecken voller Hesperidin. Dieser Pflanzenstoff stärkt unsere Gefäße und wirkt so beispielsweise Krampfadern entgegen.


In China schätzt man die guten Inhaltsstoffe der Citrusfrucht schon lange, bereits im 12. Jahrhundert vor Christus sollen Mandarinen dort kultiviert worden sein. Mit der Tatsache, dass Hochchinesisch auch heute noch Mandarin genannt wird, hat die Mandarine jedoch nichts zu tun. Im Gegenteil: Auch wenn über die Herkunft des Namens Mandarine im Schrifttum keine einheitliche Auffassung besteht, so begründen manche den Namen eben mit dieser hohen Stellung in China. Das Obst galt als Frucht der Reichen – und der Mandarin (vermutlich von Sanskrit „mantrin“, Ratgeber) war ein hoher chinesischer Staatsbeamte im kaiserlichen China.


Erst in Europa hat sich die Mandarin dann von der Frucht der Reichen langsam zur Frucht der breiten Bevölkerung gemausert. Hierher kam sie über Südostasien und Indien – allerdings erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Sir Abraham Hume brachte sie damals aus Kanton mit nach England, wo sie als „Kantoner Apfelsine“ bekannt wurden. Und sich in den vergangenen 300 Jahren dann zu einem festen Bestandteil unserer europäischen Obstpalette etabliert haben.

 

 

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