Faszinierendes Schattentheater

von Jana Kötter, 14. Juni 2014

 

Filigran geschnitten, bunt verziert – die zarten Pergamentfiguren sind eigentlich schon ein Kunststück für sich. Noch künstlerischer wird es aber, wenn die Schnitte von den Spielern an einem dünnen Bambusstäbchen zum Leben erweckt werden. Dann erzählen sie Geschichten von Prinzen, goldenen Gazellen und dem Affenkönig: Es ist es Zeit für das chinesische Schattentheater.

 

Hinter dem Schirm, traditionell gefertigt aus einem großen Maulbeerbaumblatt, flackert eine Öllampe, die die Schnitte geheimnisvoll anstrahlt und ihre Schatten auf der weißen Fläche tanzen lässt. Die Spieler, die ihnen dieses Leben einhauchen, spielen dabei mit bis zu neun Stäbchen auf einmal, sodass jedes Gelenk der Figuren getrennt gesteuert werden kann und auch komplexe Handlungen flüssig inszeniert wirken.

 

Mit einem Kasperletheater oder deutschen Marionetten hat das Schattentheater, auch wenn es auf den ersten Blick so wirken mag, aber nichts zu tun. Vielmehr ist es eine Form der Oper, die Musik ist hier mindestens so wichtig wie das Spiel mit den zarten Figuren. Ein Orchester sitzt in zweiter Reihe hinter Schirm und Leuchtquelle, jede Figur hat einen eigenen Sänger.

 

Seit 2011 ist das chinesische Schattentheater als immaterielles Unesco-Weltkulturerbe anerkannt – ein wichtiger Schritt, nachdem im Zuge der Kulturrevolution (1966-1976) ein Großteil des kulturellen Erbes zerstört wurde und gezielt gegen die kleinen, privat betriebenen Schattentheater vorgegangen wurde.

 

Traditionell ist das Schattentheater eine typische Unterhaltungsform der Bauern, in kleinen Spielstätten haben sie sich zusammengefunden, um ihrem kleinen Vergnügen zu frönen. Dabei haben sich die Stücke oft an der urbanen Hochkultur orientiert, haben Drehbücher beispielsweise an Stücke aus der städtischen Oper angelehnt. Die Inszenierung hat dabei stets eine sehr regionale Prägung erhalten, je nach Provinz haben die Stücke eine eigene Note. Grob lässt sich das Schattentheater in den Ost- und Weststil aufteilen: Während die zarten Figuren im Osten mit kleinen Messerchen geschnitzt wurden, wurden jene aus dem Westen mit Eisen gestanzt – was noch filigranere Ornamente erlaubte.

 

Wer original Kulissen, Figuren und Zubehör aus einem chinesischen Schattentheater einmal sehen möchte, dem sei übrigens ein Besuch in Offenbach empfohlen. Das Deutsche Ledermuseum ist seit den 1930er Jahren Besitzer einer der wertvollsten und umfangreichsten Sammlungen chinesischer Figuren des Schattentheaters. Hier gibt es nicht nur einen kompletten Instrumentensatz sowie zahlreiche Figuren zu sehen, sondern auch der gesamte Satz eines kleinen Pekinger Theaters. Eine Sammlung, die in diesem Umfang wohl auch in China nicht ein zweites Mal zu finden ist.

 

 

Zur Bilderstrecke mit Figuren aus dem Schattentheater

 

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