Chinesen stürmen die Musikmesse

von Jana Kötter, 15. März 2014

Der letzte Tag der Musikmesse steht vor der Tür, nach vier Tagen geht die ProLight + Sound in Frankfurt heute zu Ende. Und damit auch das Gedränge rund um Mischpulte, Verstärker und Instrumente, in das sich jedes Jahr auch unzählige Chinesen mischen.


Dabei sind es in diesem Jahr –zumindest gefühlt- gar nicht so viele Chinesen. Woran das liegt? Vor zwei, drei Jahren, da hatte man sich vor den Besuchern aus Fernost kaum retten können, erinnern sich viele Standbetreiber. „Nun haben sie die hochmoderne Technik, die sie damals zu Kaufen vorgegeben haben, bereits selber nachgebaut und stehen mit ihren Plagiaten zwei Hallen weiter“, munkeln einige.


Der Grund könnte aber auch ein ganz anderer sein: Denn während sich in Frankfurt heute die Türen der Messe schließen, öffnen sie bereits im Oktober wieder – und zwar in Shanghai. Im Februar war die ProLight + Sound bereits in Guangzhou, als größte Audio- und Lichttechnik-Ausstellung Chinas. Mit zwei Messen im Süden des Landes sparen sich vielleicht einfach einige Besucher den Weg. Immerhin kommen viele Aussteller mittlerweile auch nach Asien, um dort um die Gunst der Kunden zu buhlen.


Doch woran erkennt man überhaupt so einen Chinesen auf der Messe? Das rätselte auch die junge Hostess, die zwar schon einmal in China war, es jedoch immer schwierig fand, die Gesichtszüge von Japanern, Koreanern, Chinesen und anderen Asiaten auseinander zu halten. Auch wenn oft zynisch beäugt wird, dass wir Europäer in den Augen vieler Asiaten alle gleich aussehen, so muss man sich ehrlich eingestehen, dass auch für uns die Unterschiede zwischen den Nationen nicht immer eindeutig erkennbar sind.


Da stand sie nun an ihrer Kaffeebar und dachte schon bei der Ankunft der zwei jungen Männer, dass diese aus China kommen könnten. In ihrer Landessprache ansprechen wollte sie die beiden aber nicht – da steckte die Blamage aus der Vergangenheit, als sie ganz stolz einem Koreaner auf Chinesisch etwas zu trinken angeboten hatte, noch zu tief in den Knochen. Doch schon kurz, nachdem sich die Männer gesetzt haben, vernimmt die Hostess ein tiefes Grunzen von der gegenüberliegenden Seite des Tresens, ein Gurgeln, Nase-hoch-ziehen, röchelnder Husten. Und hat damit die Bestätigung für ihren Nationalitäten-Check, denn nur in China gehört das deutlich zu hörende Umschichten von Körpersekreten im Hals- und Nasenbereich zum guten Ton. Und tatsächlich - nur kurz darauf fragt der eine Kumpel den anderen, was er trinken will. Auf Chinesisch.


Ein weiteres Erkennungsmerkmal, das bei der Identifizierung helfen kann, ist übrigens die kleine Thermostasse. Während Europäer oftmals schon am frühen Nachmittag mit einer Flasche Bier durch die Gänge schlender, Amerikaner ganz deutlich ihre Cola Light bevorzugen und an jedem Stand Kaffee, Kaffee und nochmals Kaffee serviert wird, haben Chinesen oftmals ihren eigenen Becher dabei, in dem einige Teeblätter schwimmen, die immer wieder aufgegossen werden. In der Heimat stehen dazu überall Heißwasser-Automaten, an der Uni, in Einkaufszentren, sogar im Zug, überall kann man sich jederzeit heißes Wasser kostenfrei abfüllen.


Daran erinnerte sich die Hostess auch sofort, als bereits vor einigen Jahren ein Besucher ganz aufgeregt auf sie zukam. „Water?“, fragte er sie – und schnell wurde klar, dass er kaum ein Wort mehr auf Englisch konnte. In einem einzigartigen Sprachen-Mix hat er sich schließlich beschwert. Jeder, den er um Wasser gebeten hatte, hat ihm nur Mineralwasser anbieten wollen. Und das in seinen Teebecher! Da konnte er gerade noch flüchten – und hatte nun endlich jemanden gefunden, die im Wasserkocher schnell etwas Wasser aufgekocht und ihm in seine Thermoskanne gegeben hat.


Die Gastfreundlichkeit hat sich dann natürlich schnell herumgesprochen und so kamen nach und nach auch alle seine Freunde, Verwandte und entfernten chinesischen Bekannten, die er irgendwo auf dem Messegelände traf. Allesamt strömten sie an diesem Nachmittag zum beschriebenen Stand - wo die Hostess aus dem Teekochen gar nicht mehr herauskam.

 


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