Chinesisch = Cellulitis?

von Jana Kötter, 21. März 2014

Es ist Freitagmorgen, die Wochenendstimmung liegt bereits in der Luft. Die Sonne scheint mir durchs S-Bahn-Fenster auf die Nase, ich blinzele. Und da steht er vor mir: Im Jogginganzug, mit ergrautem Dreitagebart – und diesem typischen Lächeln auf den Lippen, das sagt: „Ich bin dein Freund – nicht dein Lehrer.“


„So, Jungs, wollen wir uns hier hinpflanzen?“ Oh nein – aus dem Munde eines Ü50-Lehrers klingt das so peinlich, dass ich vor Fremdscham im Boden versinken möchte. Doch bei den Schülern scheint es gut anzukommen. Oder freuen die sich einfach nur, dass der Unterricht heute ausfällt und sie in die Kletterhalle dürfen?


Voller Vorfreude, mit lautem Geschrei und Gedränge holen die Siebtklässler erst einmal den Proviant heraus: Cola, Süßigkeiten, Chips. Und eine Zeitung – auch wenn ich meinen Augen kaum trauen mag. Tatsächlich scheinen sich diese Jugendlichen viel weniger um ihre Coolness zu sorgen als ihr Lehrer, denn sie schlagen die Zeitung noch vor der Abfahrt auf, holen einen Stift aus dem Mäppchen und stürzen sich in Teamarbeit auf das Kreuzworträtsel.


Nur bei der asiatischen Sprache, da kommen sie ins Stocken. „Japanisch passt gut rein“, zählt einer der Bengel ab. „Du kannst doch nicht einfach was da reinkritzeln, nur weil’s halt passt. Das musst du nochmal checken.“ Oh nein – jetzt mischt er sich auch noch in die bis dahin noch auf relativ hohem Niveau geführte Unterhaltung seiner Schüler ein.


„Chinesisch ist zu lang“, runzelt da auch schon –den Lehrer ignorierend- einer der Jungen die Stirn. „Aber das heißt doch auch gar nicht Chinesisch“, antwortet sein Mitschüler blitzschnell. „Das heißt doch Mandarin.“


Da wird das lässige Lächeln des Lehrers plötzlich noch breiter – und ich ahne schon jetzt, dass das Wochenende an diesem Freitag nicht schnell genug kommen kann. „Ha, Mandarin! Da kannste ja gleich Orangenhaut nehmen!“

 

 

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