Weltmeister im Abkupfern

von Jana Kötter, 18. April 2014

Ganz gleich, ob Staubsauger, Designerkleid oder Hightech-Gerät: Im Abkupfern sind die Chinesen Weltmeister. Erst in diesem Jahr hat ein chinesischer Hersteller auf der Frankfurter Messe „Ambiente“ den Preis „Plagiarus“ erhalten – für die beste Raubkopie, die auf dem Messegelände zu finden war.


Doch damit wollten sich einige Chinesen nun nicht zufrieden geben. Sie wollten nicht nur die schmunzelnde Anerkennung für ihr Können, sondern vor allem eines: Kohle. Also fälschten sie die begehrte WM-Trophäe, die im Original aus 18-karätigem Gold besteht. 130 Euro wollten die Geschäftsleute in Libyen damit verdienen – pro Stück. Und sie hatten 1000 Exemplare davon.


Und auch wenn es sich in diesem Fall wohl um eine besonders glänzende Kopie gehandelt haben muss, so sind die Raubkopien in China keine Seltenheit. 2012 haben die EU-Zollbehörden knapp 40 Millionen Fälle von Markenpiraterie im Wert von einer Milliarde Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt. Rund 72 Prozent der festgehaltenen Waren kamen aus China und Hongkong.


Zu doof nur, dass die chinesische Zollfahndung die Bösewichte dieses Mal in ihrem Lagerhaus im ostchinesischen Yiwu hochgenommen hat, bevor die illegalen Kopien ins Ausland verschifft werden konnten. Neben einer saftigen Geldstrafe und dem nahenden Verfahren bleibt ihnen nun nur das Gefühl, wenigstens einmal die goldene Sieger-Trophäe in der Hand gehalten zu haben – auch wenn sie dabei nicht fürs Kicken, sondern vielmehr fürs Abkupfern verliehen wurde.

 

 

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