Böllerverzicht für mehr Bodenständigkeit

von Jana Kötter, 2. Februar 2014

China ist auf dem Weg zu mehr Menschlichkeit, Bodenständigkeit und transparenten Regierungs- und Wirtschaftsstrukturen. So will zumindest Präsident Xi Jinping sein Land sehen, und hat nach seinem Amtsantritt im März 2013 nicht nur der Korruption den Kampf angesagt, sondern nun auch den Exzessen seiner Staatsdiener. Die sollen endlich bodenständiger werden, meint der Präsident.

 

Nun hat Xi kürzlich bekannt gegeben, den luxuriösen Lebensstil bei offiziellen Empfängen zu streichen. Haifischflossensuppe und Schwalbennester, die bisher die Lieblingsdelikatessen bei offiziellen Banketten waren, sind nun von der Speisekarte gestrichen. Ebenso sind teure Alkoholsorten und Zigarren tabu. Und Beamte unterhalb der Provinzebene dürfen bei ihren Reisen auch nicht länger in Hotelsuiten verweilen.


Zum chinesischen Neujahr müssen die Funktionäre nun auf ein weiteres Highlight ihres glanzvollen Lebens verzichten: Böller. Das Zünden der laut knallenden Kracher (bàozhú, 爆竹) gehört zum Start des neuen Jahres eigentlich dazu – vor allem für die politische Elite, die es in China bekanntermaßen am lautesten krachen lässt. Die Zentralregierung hat nun jedoch die rund zwei Millionen Parteimitglieder und ihre Familien aufgerufen, auf Böller zu verzichten. Sie sollen als gutes Beispiel vorangehen – allerdings nicht im Kampf gegen die Völlerei, sondern in Sachen Umweltschutz.


Denn Verzicht ist nicht gleich Verzicht. Sind die Delikatessen einzig und allein aus Kostengründen und zunehmender Dekadenz der Politiker gestrichen, so hat der Verzicht auf die Feuerwerkskörper noch einen viel bedeutenderen Hintergrund. Denn schon im Laufe des Silvesterabends stieg die –ohnehin schon viel zu hohe- Schadstoffbelastung bereits aufgrund der Böllerei im Land an. Bis Mitternacht des 31. Januar war der Index der US-Botschaft bereits auf «sehr ungesunde» 240 geklettert. Allein der Wert für den besonders gefährlichen Feinstaub kleiner als 2,5 Mikrometer (PM 2,5) lag beim Achtfachen des empfohlenen Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO).


Wenigstens die Politiker sollen laut Präsident Xi Jinping deshalb auf ihren Spaß verzichten, und der Bevölkerung möglichst ein gutes Beispiel sein. Denn dafür sollten die Parteifunktionäre ja eigentlich da sein – um dem Volk ein Vorbild zu sein. Ganz gleich, ob es um den Speiseplan oder den Umweltschutz geht.

 

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