Cheng Hong stiehlt ihrem Ehemann die Schau

von Jana Kötter, 5. Mai 2014

Es ist das erste Mal, dass Cheng Hong in die Öffentlichkeit tritt – und schon stiehlt die Ehefrau von Chinas Premierminister Li Keqiang ihrem Mann die Schau. Denn als dieser gestern in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba landete, vergaßen alle Journalisten und Beobachter erst einmal den wahren Grund der Reise. Und richteten den Blick stattdessen auf seine Begleitung.


Der Besuch in Afrika, der für Li Keqiang der erste seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr ist, soll die chinesisch-afrikanische Partnerschaft bestätigen und neue Verträge hervorbringen. Laut Außenministerium sollen an die 60 Verträge in den Bereichen Wirtschaft, Gesundheitswesen, Handel und Infrastruktur von Li unterschrieben werden. Doch darüber hat heute zunächst niemand mehr gesprochen.


Der Grund dafür heißt Cheng Hong. Sie ist die Ehefrau des Premiers, die zuvor noch gänzlich unbekannt war. Im schwarzen Rock und hellblauer Bluse hat die 57- oder 58-Jährige (so genau weiß das niemand) ihrem Mann bei ihrem ersten Auftreten nun die Schau gestohlen.


Cheng Hong ist Professorin für Englisch; sie hat diverse Bücher aus dem Amerikanischen ins Chinesische übersetzt. Seit mehr als 30 Jahren lehrt sie am englischen Fachbereich an der Fakultät für Ökonomie in Peking. Das Paar hat sich auch an der Peking Universität kennengelernt; heute haben sie zusammen eine Tochter.


Dass nun so viel über die Gattin des Premiers bekannt geworden ist, ist eine Seltenheit. Für gewöhnlich halten chinesische Spitzenpolitiker Details über ihr Privatleben geheim. So ist die Ehefrau von Lis Vorgänger Wen Jiaobao beispielsweise nie mit ihrem Mann gereist.

 

Seine Frau mitzunehmen und erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist dabei kein Zufall – sondern vielmehr taktisches Kalkül von Li Keqiang und seiner Partei. Er will, so sind sich Experten einig, China als menschliche Größe auf dem internationalen Parkett zu präsentieren und die „Soft Power“ des Landes zu stärken.


„Ehefrauen-Diplomatie“ wird dieses Bestreben auch genannt. Es hilft, ein persönliches Bild eines Landes zu zeichnen – und das ist vermutlich auch der größte Verdienst, den Cheng Hong ihrem Mann bei der Ankunft in Addis Abeba getan hat: Sie fügt der chinesischen Diplomatie eine weiche Komponente hinzu. Und schon sind zahlreiche kritische Aspekte, die im Vorfeld zu Chinas Engagement in Afrika diskutiert wurden, zumindest für diesen Moment vergessen.

 

 

Zurück zum China-Blog

 

Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

Keinen Blog-Beitrag mehr verpassen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Jana Kötter 2014