China und Japan: Streit unter Nachbarn

von Jana Kötter, 15. September 2014

 

Fast genau 69 Jahre ist es her, dass der Zweite Chinesisch-Japanische Krieg geendet ist. Doch das schlechte Verhältnis zwischen den Nachbarn hält noch immer an – und das spürt auch die Bevölkerung: Eine neue Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Chinesen sogar eine kriegerische Auseinandersetzung mit dem Inselstaat erwartet.

 

Misstrauen und Abneigung – keine zwei anderen Wörter beschreiben das, was die Nachbarn China und Japan füreinander fühlen, so gut wie diese. Das resultiert zum einen aus dem historischen Hintergrund: Japan und China haben sich in Kriegen Jahre lang bekämpft, und der traurige Höhepunkt des Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieges, der am 9. September 1945 mit der Kapitulation Japans endete, war wohl das Massaker von Nanjing. Mehr als 300.000 Chinesen sollen die Japaner dort umgebracht haben.

 

Nach mehr als 69 Jahren, sollte man meinen, könnten diese Gräben überwunden sein. Zumindest sind sie das in unseren Breitengraden doch weitestgehend.

 

Nicht jedoch in Asien: Hier sind die Konflikte, auch befeuert durch den anhaltenden Streit um die Inselgruppen im Chinesischen Meer, nach wie vor präsent. Das zeigt die neue Umfrage Public Opinion on China-Japan Relations, die bereits zum zehnten Mal von chinesischen und japanischen Organisationen durchgeführt wurde. Befragt wurde in den vergangenen zwei Monaten in beiden Ländern eine repräsentative Auswahl an Bürgern und Intellektuellen, insgesamt mehr als 5000 Menschen.

 

Den Inselstreit nannte dabei noch immer eine Mehrheit der Chinesen und Japaner als das größte Problem in den Beziehungen der beiden Länder – auch wenn sich dieser in den vergangenen Wochen und Monaten wieder etwas beruhigt hat. Weitere Sorgen der chinesischen Befragten sind „der Mangel an politischem Vertrauen zwischen der chinesischen und der japanischen Regierung“, „der Umgang Japans mit seiner Geschichte“ und „Dispute um maritime Ressourcen“. Insgesamt haben 86,8 Prozent der Chinesen ein „schlechtes“ oder „relativ schlechtes“ Bild von Japan. Umgekehrt beurteilen sogar 93 Prozent der Japaner ihr Nachbarland negativ.

 

Mehr als die Hälfte der befragten Chinesen befürchtet sogar, dass es noch in diesem Jahrzehnt zu einem Krieg mit Japan kommen wird.

 

Doch was ist die Lösung zu diesem Problem? „Der Dialog und die Kommunikation müssen verbessert werden“, so Yasushi Kudo, Präsident von Genron NPO, dem Institut, das maßgeblich an der Umfrage beteiligt war. Und tatsächlich haben nie zuvor mehr Chinesen Japan besucht als im ersten Halbjahr 2014.

 

Die Mehrheit der Bevölkerung in beiden Staaten sieht die Zukunft dennoch negativ: die gegenseitigen Beziehungen, so ihre Befürchtung, werden sich in den kommenden Jahren eher verschlechtern denn verbessern.

 

 

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