Der China-Blog und die Menschenrechte

von Jana Kötter, 3. April 2014

Wie gehe ich im China-Blog mit dem Thema Menschenrechte um? Diese Frage hat mich in den vergangenen Tagen immer öfter beschäftigt. Zunehmend spüre ich dabei, dass ich um das Thema nicht mehr herum komme. Mit der –wenn auch verhaltenen– Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck an Chinas Staatsprsäsident Xi Jinping und der öffentlichen Debatte über die Ausstellungseröffnung von Ai Weiweis „Evidence“ ist das Thema der Menschenrechte in China aktueller denn je. Und muss damit auch auf einem Blog, der aktuelle Nachrichten aus und über China liefern möchte, thematisiert werden.

 

Ich weiß nicht, welche Folgen diese Entscheidung für mich persönlich hat. Ich höre noch die Stimme meines Professors, als wir auf unseren Aufenthalt in Peking vorbereitet wurden, und dieser uns riet: „Passt stets auf, was Ihr wo wie laut sagt. Ihr wisst nie, mit wem Ihr redet, und vor allem nie, wer dabei zuhört – also verzichtet auf jegliche Bemerkungen zur Regierung, Menschenrechtslage, Pressefreiheit oder andere kritische Themen. Wenn möglich ganz, aber zumindest in der Öffentlichkeit.“

 

Auch Gereon Sievernich, Direktor des Martin-Gropius-Baus, wo Ai Weiweis Werke ab heute ausgestellt werden, sagt in der Dokumentation „Ai Weiwei – Evidence“, als er den Künstler besucht: „Das fühlt sich schon komisch an – zu wissen, dass in dem Moment, wo ich hier vor die Kameras trete, vermutlich eine Akte zu meiner Person in Peking angelegt wird.“

 

Ich weiß nicht, ob dieser Blog irgendwann einmal gelesen, geprüft und übersetzt wird, wenn ich mein nächstes Visum beantrage. Irgendwann möchte ich nach China zurück – ob als Touristin, die das Land liebt, oder als Journalistin, die beruflich reist. Was ich im Internet schreibe, könnte dabei Konsequenzen haben, darüber bin ich mir im Klaren.

 

Dabei möchte ich das Thema und die Diskussion, wie sie derzeit geführt wird, abbilden – nicht bewerten. Das Ziel meines Blogs ist es, eine Brücke der Verständigung zwischen Europa und China aufzubauen – nicht, China an den Pranger zu stellen. Ich möchte ein Forum sein, das erklärt – nicht eines, das beschuldigt. Denn letztlich bin ich Autorin – und keine Aktivistin.

 

Menschenrechtsverletzungen in China sind die Realität. Aber sie sind nur eine Facette dieses Landes, das wir im 21. Jahrhundert verstehen müssen. Darüber zu schreiben ist also richtig. Das Bild Chinas allerdings auf Menschenrechtsverletzungen zu reduzieren, wäre eindeutig falsch.

 

 

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