Diaoyu-Konflikt: Manöver mit Russland geplant

von Jana Kötter, 2. Mai 2014

Es sind nur wenige kleine Inseln, und doch sorgen sie seit Jahrhunderten für große Probleme: Sowohl China als auch Japan beanspruchen die kleine Inselgruppe Diaoyu bzw. Senkaku für sich. Nun plant China gemeinsam mit Russland eine militärische Übung im Ostchinesischen Meer – die den Konflikt durchaus weiter verschärfen könnte.

 

China und Russland wollen ein gemeinsames Seemanöver im Ostchinesischen Meer abhalten, wie das chinesische Verteidigungsministerium auf seiner Internetseite bekannt gab. Die Flotten wollten durch das Manöver, das Ende Mai in der Nähe von Shanghai stattfinden soll, „ihre Fähigkeiten zur Zusammenarbeit steigern, um auf Gefahren von Meeresseite zu reagieren.“


Dass dieser Plan vom Nachbarn Japan als Provokation aufgefasst werden und die militärische Übung die Spannungen zwischen China und Japan verstärken könnte, liegt dabei auf der Hand.


Im Fokus des Konflikts, der sich seit Jahren immer weiter zuspitzt, liegt eine Inselgruppe, die im Chinesischen Diaoyu, im Japanischen Senkaku genannt wird. Zu der Inselgruppe gehören einige kleine Inseln und Riffe, mit Diaoyu (Senkaku) selbst als der größten mit einer Fläche von fünf Quadratmetern. Da es kein Süßwasser gibt, kann auf den Inseln niemand leben. Die Inseln befinden sich 120 Seemeilen nordöstlich von Taiwan, 200 Seemeilen östlich von China und 200 Seemeilen westlich von Japans südlichster Insel Okinawa.


Seit 1972 werden die Inseln von Japan verwaltet; China beansprucht ihren Besitz jedoch seit jeher für sich. Die chinesische Regierung behauptet, dass die erste schriftliche Dokumentation der Diaoyu-Inseln 1372 zur Zeit der Ming-Dynastie durch chinesische Seeleute erfolgt sei. Ab 1534 wurden die Inseln dann wiederholt als Teil des chinesischen Kaiserreichs dargestellt.


Japan beschloss am 14. Januar 1895, kurz vor der Niederlage Chinas im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg, die Inseln zum japanischen Hoheitsgebiet zu erklären.

Nach der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg musste Japan im Friedensvertrag von San Francisco Taiwan an die Republik China abtreten, während in Artikel 3 des Vertrages alle Nansei-Inseln südlich des 29. Breitengrads, einschließlich der Senkaku-Inseln, unter US-amerikanische Militärverwaltung gestellt wurden. Weil die Volksrepublik China nicht an den Verhandlungen beteiligt gewesen war, legte sie umgehend Protest ein.


Nachdem die USA 1970 ankündigten, die Senkaku-Inseln gemeinsam mit den Ryūkyū-Inseln an Japan zurückgeben zu wollen, und die Inseln damit nicht als chinesische Gebiete betrachteten, meldeten sowohl Taiwan als auch die Volksrepublik China 1970/71 formell Ansprüche auf die Inseln an. Die Inseln wurden nach der Unterzeichnung des Okinawa Reversion Treaty am 17. Juni 1971 – der auch die Senkaku-Inseln umfasste – schließlich am 15. Mai 1972 von den USA an Japan zurückgegeben. Seitdem wird die Inselgruppe von Japan verwaltet.


Während es in den Jahren vor dieser Entscheidung relativ ruhig um die Inseln blieb, wurden Ende der 1960er Jahre jedoch mögliche größere Erdöl- und Erdgasreserven rund um die Inseln entdeckt – und seitdem brennt der Konflikt immer wieder auf. Zuletzt hatte er im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht, als China eine Luftraumüberwachungszone über dem Gebiet errichtete. Kampfjets und Aufklärungsflugzeuge patrouillierten immer wieder; Staatsmedien in Peking sprachen laut Spiegel Online schon von einem möglichen kalten Krieg gegen Tokio. "Wir sind bereit, uns auf eine lang anhaltende Konfrontation mit Japan einzulassen", schrieb die englischsprachige Zeitung "Global Times", die vom kommunistischen Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird, damals.


China und Russland haben seit 2005 mehrere gemeinsame Flottenübungen im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) durchgeführt. Die Gruppe, der mehrere Länder in Zentralasien angehören, soll den Einfluss der USA in der Region eindämmen und die regionale Kooperation stärken. Japan gehört dabei weder zu den Mitgliedsstaaten – noch zu den Dialogpartnern der Organisation.

 

 

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