Krieg in Asien ist nicht ausgeschlossen

Kommentar von Jana Kötter, 27. Mai 2014

 

„Kein Land will Krieg, und jedes Land wird versuchen, ihn zu vermeiden, aber das macht Krieg in Asien nicht unmöglich. Zwischenfälle können eskalieren und Fehleinschätzungen können zu ungeplanten Konflikten führen.“ Es sind deutliche Worte, die Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong in diesen Tagen ausspricht. Und sie sind durchaus ernst zu nehmen.

 

Krieg in Asien ist in diesen Tagen kein völlig unwahrscheinliches Horrorszenario weniger Zukunftspessimisten. Er ist eine durchaus existierende Gefahr.

 

Das Verhältnis zwischen China und Vietnam, das durch Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer ohnehin gespannt ist, wurde heute einmal mehr strapaziert. Der vietnamesische Kutter DNa 90152 sei bereits am Montag auf hoher See von 40 chinesischen Schiffen umzingelt und gerammt worden, so der aktuelle Vorwurf Vietnams, der heute in vietnamesischen Medien zu lesen war. Das Schiff sei untergegangen, die zehnköpfige Besatzung gerettet worden. Die Chinesen hätten sich nach der Kollision vom Ort des Geschehens entfernt. Ein ranghoher Politiker warf China „Terrorismus“ vor.

 

Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua stellte es dagegen so dar, dass das Boot chinesische Schiffe bedrängt habe und dabei mit ihnen kollidiert sei.

 

Dabei geht es um viel mehr als nur um eine Kollision zweier Schiffe. Denn die Chinesen betreiben eine Ölbohrinsel vor den Inseln, die sie zu ihrem Hoheitsgebiet zählen. Vietnam aber tut dies auch. China beansprucht das rohstoffreiche Seegebiet für sich. Vietnam tut dies auch (neben vielen anderen Anrainerstaaten). Und wie bei den kleinen Dingen des Alltags führt es auch in den großen geografischen Fragen zu Unmut, wenn unklar ist, wem was gehört.

 

Der Zwischenfall ist dabei nur ein weiterer in der Serie der Eskalation des Streits im Südchinesischen Meer. Konflikte auf offener See, gewaltsame Proteste an Land – die vergangenen Wochen haben bereits erahnen lassen, in welche Richtung sich die Nachbarn im fernen Osten entwickeln würden. Und dabei fehlen nur noch wenige Tropfen, die das Fass letztlich zum Überlaufen bringen werden.

 

Wie viele solcher Zwischenfälle kann die angespannte Atmosphäre in Asien noch vertragen?

 

Eine Eskalation hätte Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Derzeit werden Dreiviertel des weltweiten Güterverkehrs über die Meere abgewickelt, davon gehen zwei Drittel durch das Südchinesische Meer. „Jedes Risiko eines Konfliktes wird diesen riesigen Warenfluss unterbrechen und unvorhersehbare Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft und die Weltwirtschaft haben. Es könnte sogar den Trend der weltweiten wirtschaftlichen Erholung umkehren.“ Und das sagt nicht irgendein Zukunftspessimist, sondern Vietnams Ministerpräsident Nguyen Tan Dung. „Es ist eine extrem ernste Situation“

 

Der Streit im Südchinesischen Meer kann nur gelöst werden, wenn klar ist, welche Nation Ansprüche auf welche Teile der See hat. Indonesien und die Philippinen haben jüngst vorgemacht, wie das gehen kann: Sie haben sich nach Jahren auf einen Maritimvertrag geeinigt und bei einem gemeinsamen Treffen bekräftigt, die Territorialstreitigkeiten im südchinesischen Meer friedlich beilegen zu wollen.

 

China und Vietnam täten gut daran, sich ein Beispiel an ihren Nachbarn zu nehmen.

 

 

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