Moskau und Peking rücken näher zusammen

von Jana Kötter, 21. Mai 2014

 

Eine herzliche Begrüßung, wichtige Vertragsabschlüsse: Bei Putins Besuch in Shanghai machen China und Russland deutlich: Wir rücken näher zusammen. Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise ist das eine beunruhigende Entwicklung.

 

„Mein alter Freund“ – selten haben drei einfach Worte so sehr für Furore gesorgt wie in diesen Tagen. Gestern hatte Chinas Staatspräsident Xi Jinping seinen russischen Kollegen Wladimir Putin so in Shanghai begrüßt. Es ist das erste Mal, dass Putin seit Xis Amtsantritt Ende 2012 nach China gereist ist. Vor seinem Abflug sagte er, die Beziehung zwischen den Ländern sei derzeit „so gut wie nie zuvor in der Geschichte“.

 

Nun wird das auch durch einen wirtschaftlichen Coup belegt: Ab 2018 liefert die russische Gazprom bis zu 38 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr in die Volksrepublik China, das Geschäftsvolumen wird inoffiziell auf mehr als 400 Milliarden Dollar geschätzt. Heute haben  Gazprom und die China National Petroleum Corp (CNPC) in Shanghai die Verträge unterschrieben.

Die Vereinbarung sieht Gaslieferungen über eine neue östliche Pipeline vor, die die Vorkommen in Sibirien mit den energiehungrigen Küstenregionen Chinas verbinden soll.

 

Näheres wurde bisher jedoch nicht bekannt; über den bis zuletzt umstrittenen Preis für das Erdgas wurde nichts mitgeteilt. Putin sagte lediglich, die Preisbildung werde ähnlich der Lieferungen nach Europa erfolgen. Ein Gazprom-Sprecher soll laut Medienberichten auf ein „Geschäftsgeheimnis“ verwiesen haben.

 

Ob sich für Russland das Abkommen mit China auch wirtschaftlich rechnet, bleibt deswegen eine offene Frage. Fest steht nur eines: Für Putin ist das Abkommen vor allem ein politischer Erfolg, eine Botschaft an den Westen, der auf die Einmischung Moskaus in der Ukraine mit Sanktionen reagiert. Wegen ausstehender Zahlungen der Ukraine für russisches Gas hatte Moskau vor Kurzem damit gedroht, den Gashahn zuzudrehen. Das hätte auch für Europa Folgen, da die Ukraine ein wichtiges Transitland für russisches Gas ist.

 

Außerdem fürchtet Russland angesichts des Streits mit dem Westen in der Ukraine-Krise um seine Gasgeschäfte mit Europa und versucht verstärkt neue Einnahmequellen in Asien zu erschließen. Bereits seit Jahrzehnten laufen hier Verhandlungen.

 

Mit der Einigung dürfte Russland, der „alte Freund“, seinem Ziel bei seiner Hinwendung zu China nun einen großen Schritt weitergekommen sein.

 

 

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