Premier Li besucht Afrika

von Jana Kötter, 3. Mai 2014

Milliardenschwere Investitionen, ein eifriger Aufkauf von Rohstoffen, aber auch der Bau von Krankenhäusern und Straßen: Chinas Engagement in Afrika hat viele Gesichter. Auch der regelmäßige Besuch on Ministern gehört dazu - morgen reist Chinas Premier Li Keqiang das erste Mal seit seinem Amtsantritt nach Afrika.

 

Tippt man in Googles Suchleiste “Chinas Engagement”, so schlägt einem die intelligente Suchmaschine sofort “Chinas Engagement in Afrika” vor – an oberster Stelle. Das ist nur ein Zeichen dafür, wie präsent das Reich der Mitte auf dem Kontinent derzeit ist. Denn China engagiert sich schon seit Jahren so stark wie sonst niemand in Afrika. Wirtschaftlich, aber auch entwicklungspolitisch.


Bereits 2009 haben chinesische Unternehmen 56,5 Milliarden Dollar in Afrika investiert. Hunderte von Verträgen haben chinesische Regierung und Privatunternehmen mit Afrikanern abgeschlossen. China hat milliardenschwere Kredite gegeben und Zigtausende Arbeiter nach Afrika geschickt; fast eine Million Chinesen leben jetzt dort. Ihr Verdienst ist dabei auch entwicklungspolitischer Natur: Sie haben Hunderte Krankenhäuser und Tausende Straßenkilometer gebaut, Regierungsgebäude, Bahnlinien und Fußballstadien. Erst jüngst hatte Chinas Präsident Xi Jinping laut China Daily bei einem Besuch des neuen China-Kongo-Freundschafts-Hospitals junge chinesische Mediziner dazu ermuntert, in Afrika zum Aufbau eines Gesundheitswesens beizutragen.


China tritt in den vergangenen Jahren immer mehr in Erscheinung auf dem schwarzen Kontinent – in Form von Investitionen, Rohstoffabbau, aber auch in Form von Konfuzius-Instituten, die die afrikanische Jugend zum Lernen der chinesischen Sprache ermuntern sollen, oder regelmäßigen Staatsbesuchen. Der ehemalige Staatspräsident Hu Jintao hat während seiner Amtszeit mehr als 20 Länder auf dem schwarzen Kontinent besucht, Nachfolger Xi Jinping war schon kurz nach seinem Amtsantritt das erste Mal dort.


Nun fliegt auch Premierminister Li Keqiang das erste Mal nach Afrika: Morgen startet er seinen offiziellen Besuch in Äthiopien, Nigeria, Angola und Kenia. Genau eine Woche lang hat er sich dafür Zeit genommen, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Es ist der erste Besuch seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr.


Der Sprecher des Außenministeriums, Qin Gang, sagte laut Xinhua, dass Li von den Präsidenten der vier afrikanischen Staaten eingeladen worden sei. Während seines Besuchs in Äthipien werde der chinesische Premier auch den offiziellen Sitz der Afrikanischen Union (AU) besuchen. In der nigerianischen Hauptstadt Abuja schließlich werde Li auch dem diesjährigen „World Economic Forum on Africa“ beiwohnen.


"Die gierigen Helfer", "Afrikas Ausverkauf" – Dass Li Keqiang augenscheinlich vor allem wegen wirtschaftlicher Themen nach Afrika reist, dürfte die Feindbilder der vergangenen Jahre weiter anstacheln. Denn Chinas rasant wachsendes Engagement in Afrika in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Handel, Investitionen und Migration hat auf internationaler Ebene große Aufmerksamkeit erfahren. Und dabei gemischte Reaktionen hervorgerufen. Besonders der eifrige chinesische Aufkauf von afrikanischen Rohstoffen, ob Öl, Eisenerz oder Kupfer, wird international mit Unbehagen verfolgt.


Dabei kam eine Studie der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) 2008 zu dem Schluss, dass sich die chinesischen Interventionen insgesamt positiv auf die Perspektiven für Afrikas Entwicklung auswirken. China leiste demnach wichtige Beiträge zum Ausbau der Infrastruktur, zur Erschließung bisher ungenutzter Ressourcen und zur stärkeren Integration afrikanischer Volkswirtschaften in globale Wertschöpfungsketten.


Nichtsdestotrotz: Einigkeit herrscht bezüglich dieser Ergebnisse keinesfalls. Bei der Frage, ob China einen tatsächlich wirksamen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung Afrikas beiträgt oder es vor allem um den eigenen wirtschaftlichen Vorteil geht, scheiden sich die Meinungen der Experten. Und auch der Besuch von Li Keqiang wird dabei wohl keine Einigung bringen.

 


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Zum Weiterlesen
Studie der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (2008): "Chinas Engagement in Afrika - Chancen und Risiken für Entwicklung"
China-Blog_GTZ-Studie zu Chinas Engageme[...]
PDF-Dokument [1.3 MB]

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