Wenn aus Duschgel die "Engel Fabrik" wird

von Jana Kötter, 13. Oktober 2014

 

Ich kann mich noch gut an ihn erinnern, meinen ersten Nebenjob im Reich der Mitte. Eine Freundin hatte einen Zettel am Schwarzen Brett abgerissen, und kurzerhand hatten wir am Telefon einen Termin ausgemacht. Die einzigen Voraussetzungen, die wir erfüllen mussten? Deutsche Muttersprachler sein.

 

Als wir in dem unscheinbaren Bürogebäude ankamen und über Kisten voller Mikrofone, Videokameras und CD-Rohlinge stiegen, drückte man uns einen Ausdruck in die Hand. „Hallo.“ – „Wie geht es Ihnen?“ – „Wie geht es Dich?“

 

Die Übersetzungen, die auf unseren Ausdrucken standen, waren zum Teil haarsträubend. Doch den Chinesen war das egal. Wir sollten die Texte langsam und deutlich vorlesen – und würden so in Deutsch-Lehrbüchern im Reich der Mitte helfen, Chinesen deutsch beizubringen. Dass einige der Redewendungen dank automatischer Übersetzungsprogramme völlig falsch waren, war den Geschäftsmännern gleich.

 

Anfangs versuchten wir noch, zu korrigieren und die korrekten Formulierungen zu erklären. Doch nachdem wir merkten, dass hier das Motto „Zeit ist Geld“ regierte, gaben wir auf.

 

Wenn Deutsche heute eine dieser Sprach-CDs in die Hände bekommen, können sie sich ein Lachen wohl nicht verkneifen. Ebenso wie bei vielen anderen unfreiwillig-komischen Übersetzungen, die im Reich der Mitte kursieren.

 

Dass in großen Supermärkten überhaupt englische Begriffe zu finden sind, ist dabei schon ein großer Fortschritt. Dass darauf aber durchaus auch einmal „干菜类 – Fuck vegetables“ zu lesen ist, kommt eben auch vor. Und das, obwohl das große blaue Schild doch nur auf die Gemüseabteilung des Marktes aufmerksam machen wollte.

 

Wie das sein kann? “干菜” bedeutet „getrocknetes Gemüse“, “类” bedeutet Typ, Art, oder in diesem Kontext eben Abteilung. Zusammen sollte das Schild als „Gemüseabteilung“ lesen.

 

Der Übersetzer, ganz gleich, ob lustloser und unmotivierter Mensch oder automatisiertes Computerprogramm, hat sich aber auf das erste Zeichen “干” konzentriert – und dieses allein geschrieben ist eben auch ein Schimpfwort für… nun ja.

 

Auch Alibaba, die chinesische Online-Handelsplattform für Waren aller Art, die gerade den größten Börsengang aller Zeiten hingelegt hat, hat mit solch tückischen Übersetzungsprogrammen zu kämpfen. Und so kommt es, dass der Internet-Riese derzeit "Engel Fabrik" (Duschgel), "Körpergebäude" (ein Fitnessgerät) und "tragbare Audios mit dem lautes geräusch" (Mini-Lautsprecher) im Angebot hat.

 

Dem englischsprechenden Besucher, ganz gleich, ob im Supermarkt oder auf der Internetseite, fallen da die Augen heraus – oder ein Lachen huscht über das Gesicht. Und die chinesischen Einkäufer wissen es oft einmal gar nicht besser. Bleibt nur zu hoffen, dass der Einkaufsbummel nicht als Sprachkurs verstanden wird – denn da wären sogar die von mir besprochenen Lehr-CDs erfolgreicher.

 

Weitere Bilder von lustigen Übersetzungen gibt es bei „Bored Panda“.

 

 

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