#TAM25: Der Hungerstreik beginnt

von Jana Kötter, 13. Mai 2014

Es ist der 13. Mai 1989, der erste Tag, an dem die Studenten in den Hungerstreik treten. In den vergangenen Tagen und Wochen fanden in ganz Peking immer wieder spontane Demonstrationen statt, immer wieder sind die Protestierenden auf den Tiananmen-Platz im Herzen der Stadt gezogen. Nun spitzt sich die Lage zu: Die Belagerung des Platz des Himmlischen Friedens wird dauerhaft, 400 Studenten treten in den öffentlichen Hungerstreik.


绝食 (juéshí), Hungerstreik, steht auf einem einfachen Tuch, das die Studenten an einem Fahnenmasten befestigen. Auf einer Pressekonferenz lassen die Demonstranten die ganze Welt wissen, dass sie auf jegliches Essen verzichten wollen, um demokratische Strukturen in China zu erhalten. Auch machen sie hier den zahlreichen Auslandskorrespondenten ihre Position deutlich.


Die westlichen Journalisten nehmen die Nachrichten auf, und so kursieren sie plötzlich auch im fernen Europa. Dass so viele Medienvertreter in der Stadt sind, ist vor allem dem bevorstehenden Staatsbesuch von Michail Gorbatschow geschuldet: Das Gipfeltreffen wurde mit großer Spannung erwartet, die ganze Stadt hatte sich herausgeputzt. Doch die Studenten machen dem glamourösen Empfang einen Strich durch die Rechnung.


Der Besuch von Gorbatschow zwei Tage später wird im Schatten der Proteste stehen, der Staatsgast wird letztlich durch einen Seiteneingang die Große Halle des Volkes betreten. Die Demonstranten feiern den sowjetischen Reformer derweil auf ihren Plakaten auf dem Tiananmen-Platz.


Hier entsteht in diesen Tagen, rund um das zentrale Denkmal für die Helden des Volkes, eine provisorische Zeltstadt. Sanitätsstation, Versorgungsstation, Ordner und eine eigene Medieninfrastruktur: Den Studenten mangelt es in ihrer ganz eigenen Welt an nichts. Doch die selbstorganisierten Strukturen werden mit der wachsenden Zahl von Protestierenden schon bald an ihre Grenzen stoßen...

 

 

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