#TAM25: Der Morgen danach

„Als der Himmel um sechs Uhr morgens aufhellt, liegt eine bedrückende Stille über Peking. Auf dem achtspurigen Prachtboulevard Changan, der im Zentrum von Ost nach West verläuft, sieht man kaum einen Fußgänger oder Radfahrer. Nur Soldaten in ihren grünen Uniformen patrouillieren durch die Straßen. An den Kreuzungen stehen die verkohlten Wracks von Autos und Bussen; Leichen liegen am Wegesrand. Es riecht verbrannt.

 

In der Mitte der Stadt, am Eingang zum alten Kaiserpalast, schaut wie immer Mao Zedong von seinem berühmten Bild – und auf den Tiananmen-Platz, einem steinernen, acht Fußballfelder großen Rechteck, das von gewaltigen stalinistischen Bauten eingerahmt wird. Doch auch das "Herz Chinas", wie der Platz genannt wird, ist an diesem Morgen fast menschenleer, besetzt von tarnfarbenen Panzern, auf denen ein roter Stern prangt.

 

Abseits, in den kleinen Gassen, beobachtet der amerikanische Journalist Harrison Salisbury, wie Männer in Hose und Unterhemd wortlos ihren Frühstücksreis essen: "Überall sah man ernst dreinblickende Leute", schreibt er in sein Tagebuch.

 

Es ist der 5. Juni 1989 – der traurige Endpunkt einer Zeit voller Hoffnung, die sieben Wochen zuvor begann.“

 

Björn Rosen für Zeit Online, 4. Juni 2009

 

 

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Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

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