#TAM25: Die Regierung wird nervös

von Jana Kötter, 17. Mai 2014

Es ist der 17. Mai 1989. Mehr als eine Million Menschen befinden sich jetzt auf dem Tiananmen-Platz, dem größten offen zugänglichen Platz der Welt. Hier, vor dem Tor des Himmlischen Friedens, vor dem Porträt von Mao Zedong, demonstrieren die jungen Menschen für eine Demokratie in China. Seit vier Tagen ist der Platz dauerhaft belagert, rund 500 Studenten befinden sich im Hungerstreik.


Mit den Menschenmassen kommen aber die Probleme, besonders die Trinkwasser-Versorgung und die Entsorgung von Fäkalien wird immer schwieriger.


Doch die Versammlung sprüht nichtsdestotrotz vor guter Stimmung, sie gleicht einem großen Fest für die Freiheit. Chinesische Rockmusiker wie Cui Jian, Hou Dejian und He Yong, die schon zuvor der Untergrundkultur zugerechnet wurden, treten auf dem Platz auf. Unzählige neue Demonstranten schließen sich der Belagerung des Platzes an und unterstützen somit den Hungerstreik der rund 500 Studenten, der seit vier Tagen anhält.

 

Für die Regierung wird der Protest zum immer größeren Problem – nicht nur, weil der Staatsbesuch von Michail Gorbatschow dadurch enorm gestört wurde. Am 15. Mai ist er in Peking angereist, doch sein Besuch steht im Schatten der Proteste. Die Menschenmassen auf dem Tiananmen-Platz machen es unmöglich, den Staatsgast wie geplant durch die Verbotene Stadt zu führen, er muss die Große Halle des Volkes, die an den Tiananmen anschließt, durch einen Seiteneingang betreten.


In der Nacht zum 17. Mai hat Deng Xiaoping, damaliges Staatsoberhaupt, deshalb ein Krisentreffen einberufen. Die Stimmung ist angespannt – die führenden Politiker beraten, wie lange man die Proteste noch dulden kann. Womöglich wird schon in dieser Nacht der Plan des radikalen Vorgehens gegen die Demokratiebewegung geschmiedet.


Doch so lange Gorbatschow in der Stadt ist, gilt es als unmöglich, die Proteste niederzuschlagen...

 

 

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