#TAM25: Die Stimmung radikalisiert sich

von Jana Kötter, 23. Mai 2014

 

Wie sollen wir weitermachen? Das ist die große Frage, die die Studenten in diesen Tagen beschäftigt. Es ist Mai 1989, seit Wochen ist der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings besetzt. Der Hungerstreik, der am 13. Mai begonnen hat, wurde zwischenzeitlich in einen Sitzstreik umgewandelt. Mehr als eine Million Menschen demonstrieren seit Anfang des Monats für ein demokratischeres China.

 

Doch dass die Staatsführung die Forderungen der Protestierenden nicht erfüllen wird, wird in diesen Tagen immer deutlicher. Die Regierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen und die Satellitenleitungen für ausländische Sender gekappt. Truppen von 22 Divisionen marschieren auf die Hauptstadt zu.

 

Die Studentenschaft ist sich uneinig, wie sie mit diesen Drohgebärden der Regierung umgehen soll – insbesondere, weil ihnen immer klarer wird, dass die Gefahr staatlicher Gewaltanwendung von Tag zu Tag größer wird.

Was ist also zu tun? Sich der Staatsmacht beugen und den Platz räumen – oder doch lieber ausharren, trotz des Risikos? Viele der Studenten spüren diesen Zwiespalt in sich, und er spaltet die Führung der Studentenbewegung zutiefst.

 

Für eine Räumung spricht zwar der zunehmende Wunsch vieler Studenten, zu einem normalen Leben zurückzukehren – der vor allem durch die zunehmen unhaltbaren hygienischen Verhältnisse auf dem Platz angefacht wird. Denn mit den Menschenmassen sind die Probleme auf den Tiananmen gekommen, besonders die Trinkwasser-Versorgung und die Entsorgung von Fäkalien wird zuletzt immer schwieriger.

 

Nichtsdestotrotz: Die Regierung würde die Forderungen der Studenten nicht erfüllen. Das realisieren die Studenten – und sehen sich darin in ihrem Durchhaltewillen bestätigt. Besonders jene, die der Protestbewegung erst zu einem späteren Zeitpunkt zugestoßen sind, wollen weitermachen. Auch aus Angst, ohne die Öffentlichkeit des Platzes staatlicher Repression ausgesetzt zu sein.

 

Insgesamt radikalisiert sich rund drei Wochen, nachdem die ersten 100.000 Studenten auf den Tiananmen-Platz gezogen sind, so die Stimmung unter den Protestierenden. So schrieb Xie Xiaoqing, Professor am Central China Normal College in Wuhan, ein Jahr später: Die Stimmung auf dem Tiananmen-Platz „entsprach genau der Diktatur der Jakobiner. Die am lautesten applaudierten, waren die Radikalsten.“

 

 

Zurück zum China-Blog

Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

Keinen Blog-Beitrag mehr verpassen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Jana Kötter 2014