#TAM25: Ein Student gegen Chinas Premier

von Jana Kötter, 19. Mai 2014

18. Mai 1989, 11 Uhr in der "Großen Halle des Volkes": „Ein Raum mit roten Sesseln, auf den Beistelltischen weiße Teetassen, am Boden schwere Teppiche. Das chinesische Fernsehen überträgt live, wie Premier Li Peng den Studentenführern unter Blitzlichtgewitter die Hand gibt. "Ich bin besorgt um eure Gesundheit", sagt er.


Wu‘er Kaixi, der sich zum Kopf der Proteste entwickelt hat, ist im Pyjama eines Krankenhauses erschienen, denn dort wurde der Hungerstreikende zuvor behandelt. "Wir haben zum Gespräch eingeladen und somit das Recht, die Gesprächsthemen festzulegen", unterbricht er Li forsch – etwas in der Volksrepublik Ungesehenes.


Wu‘er, Sohn eines uighurischen Kaders, ist hochintelligent – und egozentrisch. Anders der nachdenkliche Geschichtsstudent Wang Dan, dünn und mit großer Brille auf der Nase. Bevor sie bereit wären, das Ende des Hungerstreiks auszurufen, sagt Wang, müsse die Partei den Leitartikel in der "Volkszeitung" zurücknehmen und eine Fernsehdiskussion mit führenden Funktionären ermöglichen. Li lehnt ab.“


So schildert Björn Rosen anlässlich des 20. Jahrestages der Niederschlagung der Protestbewegung für Zeit Online, wie das Treffen zwischen Li Peng und weiteren Parteiführern und Studentenführern wie Wang Dan und Wu’er Kaixi stattgefunden hat. Es wurde im chinesischen Fernsehen übertragen: Die Zuschauer konnten nun in ganz China sehen, wie sehr die Studenten vom Hungerstreik geschwächt waren; während des Gesprächs wurden sie künstlich ernährt.


Die Chinesen im ganzen Land sind überrascht zu sehen, wie der Studentenführer Wu’er Kaixi zu Beginn des Treffens den Ministerpräsidenten unterbricht. Übliche Höflichkeitsfloskeln ignoriert er, im Namen der Studentenbewegung fordert er ohne Umschweife: Widerruf der Verurteilung der Studentenbewegung im Leitartikel vom 26. April, Anerkennung des autonomen Studentenverbandes und Aufnahme von Verhandlungen.

 

Es kommt jedoch zu keiner Einigung.


 


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