#TAM25: Erhöhte Sicherheit vor Jahrestag

von Jana Kötter, 2. Juni 2014

 

Der Platz des Himmlischen Friedens im Stadtzentrum Pekings ist seit Wochen von einem fast mannshohen Sperrzaun umgeben, täglich patrouillieren Panzerfahrzeuge. Hunderte von Sicherheitsbeamten, uniformiert und zivil, umgeben den Platz, in den U-Bahn-Stationen der Innenstadt herrschen Kontrollen wie man sie sonst nur vom Flughafen kennt.  Schnell wird deutlich: Die Sicherheitsvorkehrungen auf dem und um den Tiananmen-Platz sind in diesen Tagen extrem hoch. Denn für die Regierung steht ein gefürchteter Jahrestag ins Haus.

 

Chinas Führung will weiterhin so tun, als sei nie etwas gewesen auf dem Tiananmen-Platz. Das Massaker vom 4. Juni 1989 soll endgültig vergessen werden. Niemand darf daran erinnern, dass Panzer und Soldaten damals die friedlichen Demonstranten auseinandertrieben und dabei möglicherweise Tausende ums Leben kamen.

 

Mit Verhaftungswellen und der Verhängung von Hausarresten hatte die Staatsmacht bereits in den vergangenen Wochen klargemacht, dass sie an diesem 4. Juni keinen Mucks von Chinas Andersdenkenden hören will. "Das Vorgehen der chinesischen Regierung ist rigoroser als in den Vorjahren", zitiert Spiegel Online Verena Harpe, Asien-Expertin von Amnesty International Deutschland. "Sie setzt alles daran, die Erinnerung an die Ereignisse vom 4. Juni 1989 aus dem kollektiven Gedächtnis zu löschen."

 

Auch die Auslandskorrespondenten in China sind von den Repressalien betroffen. Der chinesische Auslandskorrespondentenclub  (FCCC) beklagte laut FAZ.net die „wachsende Belästigung und Einschüchterung ausländischer Medien“. Es sei offensichtlich ein Versuch, Berichte zum Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung an diesem Mittwoch zu verhindern. Der Club zeigte sich „tief besorgt“, dass die Polizei ausländische Journalisten und ihre chinesischen Mitarbeiter einbestellt und vor laufender Kamera belehrt und verwarnt hätten. Einigen seien „ernste Konsequenzen“ und der Entzug der Akkreditierung angedroht worden, berichtete die Journalistenvereinigung.

 

Die Korrespondenten stehen, ebenso wie alle anderen Bürger, in diesen Tagen unter dem noch wachsameren Auge der Regierung als es für gewöhnlich der Fall ist. Denn was China auf keinen Fall will, ist eine öffentliche Erinnerung an Tiananmen 1989 – oder gar eine öffentliche Versammlung auf dem Platz. Laut Radio Free Asia hat die Führung unter Präsident Xi Jinping 850.000 freiwillige Sicherheitsbeamte rekrutiert, die in diesen Tagen in Kombination mit der bewaffneten Polizei patrouillieren. Für die Kontrollen stünde ein unbegrenztes Budget zur Verfügung.

 

Menschenrechtsaktivisten und andere Chinesen, die sich aktiv für eine Demokratisierung Chinas einsetzen, haben derweil bekannt gegeben, den Jahrestag der blutigen Niederschlagung im Stillen zu begehen.

 

 

Zurück zum China-Blog

 

Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

Keinen Blog-Beitrag mehr verpassen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Jana Kötter 2014