#TAM25: Internetzensur wird verstärkt

von Jana Kötter, 12. Mai 2014

„The Great Firewall of China“ – der Titel klingt imposant. In Anlehnung an die Chinesische Mauer, die sich durch das Reich der Mitte schlängelt, wurde sie virtuell errichtet. Und wimmelt dort ungewollte Feinde ab, so wie es einst die Chinesische Mauer tat.


Chinas "Große Firewall" richtet sich dabei vor allem gegen Pornografie, kriminelle Inhalte, aber auch soziale Netzwerke und andere Foren, die eine allzu freie Meinungsäußerung und Gruppenbildung ermöglichen, sowie Seiten, deren Inhalte Chinas Spitze aus anderen Gründen nicht gefallen, etwa weil sie als bedrohlich für die innere Ordnung des Landes empfunden werden. Surft man eine solche vom Staat gesperrte Webseite an, so gibt der Browser eine Fehlermeldung heraus oder zeigt einfach gar keinen Inhalten an; bei streng verbotenen Inhalten erscheint zudem eine Warnung auf dem Bildschirm.


In den Wochen vor dem Tiananmen-Jahrestag wird die Kontrolle im Reich der Mitte traditionell noch etwas enger geschnürt. Und so rollt derzeit nicht nur eine Verhaftungswelle durchs Land, auch die Firewall wird noch etwas höher gebaut. Erst seit kurzem sind vier bekannte US-Serien von chinesischen Videoplattformen verschwunden.

Nach einem Bericht der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua lassen sich die Serien "The Big Bang Theory", "The Practice", "The Good Wife" und "NCIS" nicht mehr abrufen. Wie der "Guardian" schreibt, hat die chinesische Kontrollbehörde für Radio, Film und Fernsehen (SARFT) den Streaming-Stopp verordnet. Aus welchem konkreten Grund die US-Serien offline gingen, blieb bisher unklar.


Bislang sind auf chinesischen Videoplattformen zahlreiche Inhalte zu sehen, die nicht im Staatsfernsehen laufen. Der Vorstoß der Regierung gilt nun als Zeichen dafür, dass China verstärkt auch die Onlineportale regulieren will. In der Zeitung der kommunistischen Partei erschien ein Artikel, der nahelegte, ohne Ordnung im Internet könne es auch keine Internetfreiheit geben: "Jeder, der seine Internetrechte und seine Internetfreiheit schätzt und wahrnimmt, darf damit nicht dem Gemeinwohl schaden und kann dabei nicht gegen Gesetze, Regeln und die öffentliche Moral verstoßen", zitiert Spiegel Online die "People's Daily".

 

Dass dies auch als Warnung für all jene Chinesen, die den Opfern des 4. Juni 1989 gedenken und den Diskurs über das Massaker auf dem Tiananmen-Platz führen wollen, ist dabei selbstverständlich.

 

 

Zum Weiterlesen: FAZ.net hat das System der Internetzensur in China sehr schön aufbereitet und verständlich erklärt. 

 

 

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