#TAM25: Mehr als 100.000 Demonstranten

von Jana Kötter, 5. Mai 2014

5. Mai 1989: Auf dem Tiananmen-Platz, mitten im Herzen Pekings, versammeln sich immer mehr Studenten. In einem gewaltigen Protestmarsch zogen sie bereits vor wenigen Tagen quer durch die Stadt, die Bilder haben Menschen auf der gesamten Welt bewegt. Nun haben sich erstmals auch chinesische Journalisten den Massen auf dem Platz vor dem Porträt von Mao Zedong angeschlossen.


Die Studenten, die hier gemeinsam für eine bessere, eine freiere Zukunft demonstrieren, sind fast ausschließlich Studenten der Peking Universität. Die Studenten anderer Universitäten waren nach ersten zögerlichen Demonstrationen bereits zum Unterricht zurückgekehrt und haben den Streik gebrochen, nicht jedoch die Studenten der „Beida“, der Beijing Daxue. Hier wählt jede Fakultät, ob sie mit dem Protest fortfahren will – und wie genau man dies tun sollte. Die Resonanz ist eindeutig: Man will sich aktiv für eine Änderung einsetzen. Ein Beschluss, auf den die Beida noch heute stolz ist.


Bereits am 17. April marschierten tausende Pekinger Studenten zum Platz des Himmlischen Friedens und veranstalteten am Denkmal für die Helden des Volkes eine Kundgebung, bei der der zwei Tage zuvor gestorbene Hu Yaobang, der nach den bereits 1986/87 erstmals aufkeimenden Demonstrationen zum Sündenbock der Kommunistischen Partei wurde, betrauert wurde. Diese regimekritische Trauerstimmung griff bald auf andere Städte wie zum Beispiel Shanghai über, wo ähnliche Veranstaltungen organisiert wurden.


Einen Tag später fanden dann erste Sit-ins und Kundgebungen auf dem Tiananmen, vor der Parteizentrale und den Residenzen der Staats- und Parteiführung, statt. Täglich kam es zu Demonstrationen von mehreren 10.000 Studenten mit einem ersten Höhepunkt am 22. April, dem Tag der offiziellen Trauerfeier für Hu Yaobang.


Bis zum 5. Mai versammelten sich schließlich mehr als 100.000 Chinesen auf dem Platz. Obwohl die Demonstrationszüge auch mehrfach Polizeiabsperrungen durchbrachen, kam es in dieser Phase zu keinen größeren gewalttätigen Zwischenfällen.


Die Studenten wollen friedlich für ihre Ideale eintreten in diesem Frühsommer vor 25 Jahren, sie fordern Demokratie, kämpfen für ihre Rechte. Die internationale Presse charakterisiert die Bewegung als leidenschaftlich, ernsthaft, spontan. Dass tausende der Studenten ihren Kampf für eine bessere Zukunft mit dem Leben zahlen würden, das ahnt an diesem 5. Mai 1989 noch niemand.

 

 

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