Chinas Gesundheitsmarkt weiter am Wachsen

von Jana Kötter, 14. Mai 2015

 

China ist weltweit einer der am stärksten wachsenden Gesundheitsmärkte. Auch für internationale Unternehmen bietet das Reich der Mitte damit große Chancen.

 

Das futuristisch anmutende, leuchtend blaue Latex-Stirnband soll Fieber-Patienten helfen. Über eine Fernbedienung lässt sich die Temperatur des Kühlapparats einstellen, der im akuten Fall die Temperatur des Patienten senken soll. „Unsere Tests haben bewiesen, dass es wirklich hilft“, betont der Verkäufer am Messestand.

 

Neben Fitnessgeräten, Schönheitsprodukten und vermeintlichen Heil-Edelsteinen war der Kühlapparat nur eines der vermeintlich „innovativen Medizinprodukte“, die jüngst auf der Pekinger Messe für den privaten und professionellen Gesundheitsmarkt vorgestellt wurden. Sie alle haben gezeigt: So unterschiedlich das Verständnis von Gesundheit in den Kulturen auch sein mag, so groß ist das Interesse, auf das die Ausstellung gestoßen ist.

 

Auch internationale Besucher und Standbetreiber haben sich auf dem Pekinger Expo-Gelände antreffen lassen. Der chinesische Gesundheitsmarkt ist für sie ein wichtiges Thema, denn er entwickelt sich seit Jahren äußerst dynamisch: Bis 2020 soll der Gesundheitssektor im Reich der Mitte laut einer McKinsey-Studie ein Volumen von nahezu 900 Milliarden Euro erreichen.

 

Bereits heute ist China der drittgrößte Markt für Medikamente und Medizinprodukte – Tendenz steigend. Allein im Zeitraum von 2006 bis 2011 hatten sich die Gesundheitsausgaben von 140 Milliarden auf knapp 320 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt, zeigte die 2012 erschienene McKinsey-Untersuchung. Marktkenner sehen in der nahen Zukunft kein Ende dieser Entwicklung.

 

„Viele Multinationals richten ihr Augenmerk auf China", attestiert Franck Le Deu, Chef des McKinsey-Büros in Shanghai. „Allein die Größe des Marktes macht das Land sehr attraktiv."

 

Belegt wird dies durch viele Beispiele internationaler Unternehmen, die in China Fuß fassen wollen. So geht Nestlé Health Science seit Jahren Partnerschaften mit chinesischen Unternehmen ein, um sich damit Zugang zum Markt vor Ort zu verschaffen. Jüngstes Beispiel ist die 2012 bekanntgegebene Gründung eines Joint Ventures mit dem Gesundheitsunternehmen Chi-Med, das dem Hongkonger Millionär Li Ka-Shing gehört. Der Zusammenschluss, der Nutrition Science Partners Limited (NSP) heißt, soll Produkte auf pflanzlicher Basis entwickeln und vertreiben.

 

Im Konzern Nestlé hat der Produktbereich „Ernährung und Gesundheitsprodukte“ im Geschäftsjahr 2013 eigenen Angaben zufolge ein Plus von 7,6 Prozent verbucht – ein Weg, auf den sich das Unternehmen auch in Zukunft stützen will. Auch in Asien: „Die Partnerschaft wird die Bestrebungen stärken, personalisierte Gesundheitspflege in der Kombination aus Ernährung, Medizin- und Diagnoseprodukten zur Verfügung zu stellen“, so eine Mitteilung zur Gründung von NSP. „Das Joint Venture ist eine Chance, diesen Weg auch Patienten außerhalb der USA zur Verfügung zu stellen.“

 

Die Bestrebungen auf dem chinesischen Gesundheitsmarkt weisen dabei vor allem in zwei Richtungen: Nahrungsergänzungsmittel, darunter auch Milchpulver für Neugeborene, die nach diversen Lebensmittelskandalen nach wie vor gefragt sind, einerseits; der Markt für Senioren und Pflege andererseits. Denn China steht wie kaum ein anderes Land vor den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft. Und mit Einkommenszuwächsen der Bevölkerung steigen auch die Ansprüche an medizinische Produkte.

 

Dass der Gesundheitsmarkt immer wichtiger wird, beobachten deswegen auch Unternehmen, die nicht traditionell aus dem Sektor stammen. Das Elektrounternehmen Haier etwa, das ursprünglich Kühlschränke produzierte und sich lange Zeit vor allem auf Haushaltsgeräte konzentrierte: „Das Thema ‚mobile home‘ wird für uns immer wichtiger“, sagt Lillian Xiong, Sprecherin des Unternehmens. Im Showroom der Firma im ostchinesischen Qingdao stellt sie Besuchern neben Blutdruckmessstationen für den Hausgebrauch auch Lösungen vor, die die Mobilität von älteren Menschen in den eigenen vier Wänden sicherstellen sollen, etwa hochmoderne Dusch-Klappsitze, die zahlreiche Brausen integriert haben.

 

Noch mache der Gesundheitssektor am Unternehmensumsatz nur einen „sehr geringen Teil“ aus. „Gesundheitsthemen werden in der Zukunft jedoch eine wichtige Rolle spielen – in China, aber auch in anderen Nationen“, weiß Xiong. Haier exportiert in 108 Nationen. „Wir sind auf den steigenden Bedarf vorbereitet.“

 

 

Zurück zum China-Blog

 

 

 

 

 

Glückskeks der Woche

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer.

Konfuzius

Keinen Blog-Beitrag mehr verpassen:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Jana Kötter 2014