Deutsche Verlage drängen nach China

von Jana Kötter, 6. Juni 2014

 

Autobranche, Luxusgüter, Industrie: Schon lange orientiert sich die Wirtschaft in vielen Bereichen in Richtung China. Auch für den Buchmarkt bietet das Reich der Mitte einen einmaligen Absatzmarkt, rund 16.000 Buchtitel erwarb das Land 2012 aus dem Ausland – ein Anreiz, dem auch viele deutsche Verlage folgen.

 

„Hanser ist ein klangvoller Name in der deutschen Verlagsszene“, preist der Begrüßungstext der Internetseite. „Angesehen gleichermaßen bei Autoren, Buchhändlern und Lesern. Hanser-Produkte stehen für hohe Qualität in Inhalt und Ausstattung, Vielfalt und Aktualität der Themen.“ Der Text ist dabei nicht etwa auf deutsch, sondern chinesisch – wahlweise englisch, aber ganz klar an ein chinesisches Publikum adressiert.

 

Seit wenigen Wochen hat der Carl Hanser Verlag München hat nun auch eine Webpräsenz in China. Denn das Reich der Mitte wird für ausländische Verlage zunehmend interessant. "Der chinesische Markt hat sich in den letzten Jahren immer weiter geöffnet", heißt es in einem kürzlich erschienenen Bericht des Buchinformationszentrums (BIZ) Peking.

 

Laut BIZ-Bericht gibt es derzeit 580 offizielle, allesamt staatliche Verlage in Peking; rund 40 Prozent von ihnen sitzen in Peking. Hinzu kommen jedoch zahlreiche internationale Verlage, die sich verstärkt in China engagieren: Pearson, Bertelsmann, Hachette, Harper Collins…

 

Mit seiner chinesischen Website verstärkt auch der Hanser Verlag nun sein Engagement in einem der größten Märkte der Welt. 1928 gegründet, vereint der Carl Hanser Verlag heute ein breites Spektrum an Literatur, Kinder- und Jugendbüchern sowie technischen Fachwerken mit industriellem Praxisbezug. „Als Weltmarktführer für englische Bücher zur Kunststofftechnik ist es für Hanser ein konsequenter Schritt, auch im bedeutenden chinesischen Kunststoff-Markt zukünftig mit einer eigenen Webpräsenz vertreten zu sein“, teilte der Verlag jüngst mit.

 

„Die steigenden Lizenzverkäufe nach China in den letzten Jahren zeigen, dass das Interesse an Büchern aus dem Ausland wächst und damit auch die Chancen für deutsche Verlage steigen“, so der BIZ-Bericht „Buchmarkt China 2014“. „Im Jahr 2012 erwarb China insgesamt 16.115 Buchtitel aus dem Ausland. Davon stammten 4.944 aus den USA, 2.581 aus England, 874 aus Deutschland, 835 aus Frankreich, 2.006 aus Japan und 1.209 aus Korea (Quelle: China Publisher's Yearbook 2013).“

 

Als Partner hat sich der Hanser Verlag die Firma „Inspirees“ mit ins Boot geholt. Das chinesisch-holländische Unternehmen vertreibt seit 2012 neben Büchern auch Datenbanken und E-Books auf dem chinesischen Markt. Und genau das soll nun auch die chinesische Website ankurbeln: Sie präsentiert nicht nur Bücher und die Zeitschrift Kunststoffe International, sondern bietet auch weitere Services wie News, Lizenzen für Übersetzungen, Katalogdownloads oder eine Anbindung an den größten chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo, der mit Twitter zu vergleichen ist. Chinesischen Firmen und anderen Interessenten ist damit nun die Möglichkeit gegeben, online die Produkte und Services des Hanser Verlages zu recherchieren.

 

Andere deutsche Verlage verbuchen derweil übrigens die ersten großen Erfolge im Geschäft mit China: Bastei Lübbe beispielsweise hat schon 2013 die ersten Schritte in Richtung Fernost unternommen, mit der multimedialen Serie "Apocalypsis". Der Erfolg machte dem Unternehmen jetzt Appetit auf mehr: Insgesamt sei die Serie bislang weit über eine Million Mal heruntergeladen worden – die App „Lauras Stern“ zum gleichnamigen Bestseller von Klaus Baumgart soll daran nun anknüpfen. Die iOS-Version der ersten "Lauras Stern"-App ist laut Börsenblatt bereits auf Platz 3 der meistverkauften iPad Apps in China gestiegen.

 

 

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Zum Weiterlesen:
Bericht des BIZ Peking.pdf
PDF-Dokument [450.0 KB]

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