Die Währung ist nur zweitrangig

Kommentar von Jana Kötter, 18. November 2014

 

Renminbi-Clearing in Frankfurt – wenn das kein Grund zur Freude ist! Immerhin soll die Yuan-Drehscheibe im Herzen Hessens das Geschäft mit dem Riesenreich in der Ferne ankurbeln und den deutsch-chinesischen Beziehungen damit zu neuer Größe verhelfen. Doch der Renminbi-Handel in Frankfurt kann höchstens eine Erleichterung sein – keinesfalls ein Anreiz, in den chinesischen Markt einzusteigen. Und vor allem nicht für den deutschen Mittelstand.

 

Denn die Angst vor der chinesischen Kultur ist hier noch um einiges größer als die Angst vor der chinesischen Währung. Während große, international tätige Unternehmen immer öfter speziell für das China-Geschäft ausgebildete Berater einstellen, ist das Reich der Mitte für viele deutsche Mittelständler noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Auch im 21. Jahrhundert ist die Sprachbarriere vorhanden, nicht immer kann man sich im Englischen treffen – erst seit wenigen Jahren boomen im Reich der Mitte die Englisch-Sprachschulen, für die Eltern oft ein kleines Vermögen ausgeben. Und auch die kulturellen Eigenheiten und typischen Verhaltensregeln müssen erst einmal erlernt werden: Eine Visitenkarte unachtsam mit einer Hand entgegennehmen und unmittelbar nach der Übergabe in der Jacketttasche verschwinden lassen? In China kann dies das Ende der Geschäftsbeziehungen bedeuten.

 

Und als wäre das noch nicht genug, schweben über all diesen Gedanken auch noch die Negativ-Beispiele hessisch-chinesischer Projekte, die in den vergangenen Jahren geplant – und wieder abgesagt – wurden. In Bad Vilbel wollten Großinvestoren aus der Ferne ein chinesisches Großhandelszentrum errichten, 2006 hoffte der Kurort Bad Orb auf ein Unternehmen aus Shanghai, das dort ein Kurhotel errichten wollte. In beiden Fällen platzte der Traum vom chinesischen Geldsegen so plötzlich, wie er aufgekommen war.

 

Während ein unterschriebener Vertrag in Deutschland einiges zählt, ist dies bei chinesischen Handelspartnern nicht immer der Fall. Zu unterschiedlich sind europäisches und asiatisches Rechtsverständnis und -system. Der einzige Weg, diese Unterschiede zu überwinden und Geschäfte mit China – gerade für den deutschen Mittelstand – gelingen zu lassen, sind interkulturelle Schulungen. So, wie sie die IHK Frankfurt beispielsweise anbietet.

 

Die Hürde im deutsch-chinesischen Geschäft sind in erster Linie die kulturellen  Unterschiede und das Nicht-Verstehen des fernöstlichen Denkens. Die Währung Renminbi kommt in der Liste der Herausforderungen erst weit hinter Kultur, Sprache und verschiedenen Auffassungen von Recht. Dass der deutsch-chinesische Handel seit gestern also in der gleichen Zeitzone und ohne Umweg über Hongkong möglich ist, ist eine Erleichterung für jene, die ohnehin schon Geschäfte mit dem Reich der Mitte tätigen. Mehr aber auch nicht.

 

 

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