Merkels Besuch endet mit Milliarden-Deals

von Jana Kötter, 7. Juli 2014

 

Mit einer Delegation von Deutschlands Topmanagern ist Kanzlerin Angela Merkel am Samstag nach China gereist – und der Weg hat sich für die deutschen Unternehmen durchaus gelohnt. Denn die Rückreise treten sie mit Verträgen in Milliardenhöhe im Gepäck an.

 

Sie hat mit einem Spitzenkoch gemeinsam Hähnchen Kungpao gekocht, ein VW-Werk in Chengdu besichtigt, wichtige Regierungsvertreter getroffen – keine Frage, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei ihrer siebten und bisher längsten China-Reise einiges erlebt.

 

Im Fokus stand dabei jedoch vor allem eines: die deutsche Wirtschaft. So wollte die Kanzlerin bei ihrem Besuch nicht nur die Sorgen deutscher Unternehmer ansprechen, sie und ihre Mitreisenden, darunter VW-Chef Martin Winterkorn, haben sogleich –womöglich, um den Kopfschmerzen zumindest kurzfristig ein Ende zu bereiten – Verträge in Milliardenhöhe eingetütet.

 

So will Volkswagen beispielsweise zwei neue Werke in Qingdao bauen sowie in Tianjin, wo zur Zeit bereits eine Getriebe-Fabrik entsteht, die Ende des Jahres fertig sein soll. VW-Chef Martin Winterkorn bezifferte das mit dem chinesischen Produktionspartner FAW zusammen geplante Investitionsvolumen für die neuen Fabriken auf zwei Milliarden Euro.


Lufthansa unterzeichnete währenddessen ein Memorandum für eine engere Zusammenarbeit mit Air China und sicherte so ihren Zugang zum zweitgrößten Luftverkehrsmarkt der Welt nach den USA. Die Vereinbarung soll nach Angaben der führenden deutschen Fluggesellschaft schon zum Start des Winterflugplans Ende Oktober greifen. Lufthansa-Kunden bekämen damit speziell in Europa und China "noch bessere Flugverbindungen und Services", erklärte Vorstandschef Carsten Spohr in Peking.

Den Rückenwind von Merkels China-Besuch nutzte auch Airbus für ein lukratives Geschäft: Die Hubschrauber-Sparte des Konzerns verkauft 123 Helikopter für zivile Einsatzzwecke wie medizinische Notfallversorgung an drei chinesische Firmen. Das Finanzvolumen des auf sechs Jahre angelegten Deals: 300 Millionen Euro.

 

Die Deutsche Messe vereinbarte darüber hinaus, dass China 2015 das Gastland auf der Computermesse Cebit wird.

Neben den Milliardenverträge waren jedoch auch die Menschenrechte ein – wenn auch unbeliebteres - Thema: Der Ausbau der Wirtschaftskooperation mit China und die Entwicklung einer freieren Gesellschaft gehören für Kanzlerin Merkel «ganz eng» zusammen, sagte sie in Peking. Bei ihrem Besuch mahnte sie nach Gesprächen mit Regierungschef Li Keqiang deswegen mehr Marktzugang, Transparenz und Gleichberechtigung für deutsche Unternehmen an. Konkrete Fälle wie den Wunsch des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, seine bis zum 13. Juli geöffnete Ausstellung in Berlin zu besuchen, sprach sie jedoch nicht öffentlich an.


Chinas Regierungschef verteidigte sich gegen Kritik an Menschenrechtsverstößen und warb um Verständnis. Im Zuge der Reformen werde sein Land auch den Rechtsstaat fördern. Er stimmte einem Dialog über diese Problembereiche «im Geiste von Respekt und Gleichberechtigung» zu. Li beschrieb die Entwicklung Chinas als «unausgewogen, unkoordiniert und nicht nachhaltig», zitiert die Nachrichtenagentur dpa.

«Wir müssen noch harte Nüsse knacken. Wenn es keine Schwierigkeiten gäbe, bräuchten wir auch keine Reformen.»

 

 

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