Seltene Erden: Ein Stück China im "Tatort"

von Jana Kötter, 31. März 2014

Ein Mann wird erschossen, weil er über die Gewinnung Seltener Erden im Ozean vor Westaustralien auspacken will – es ist ein Mordfall, bei dem die Kieler „Tatort“-Kommissare bei ihren Ermittlungen allerhand über die Ausbeutung der Meere lernen. Ein Mordfall mit Öko-Botschaft, denn auch wir mit unserem Hunger nach immer neuen Smartphones und Flachbildschirmen sind an dieser Ausbeutung Schuld. Und es ist ein Mordfall, der ein Stück China mit sich bringt – auch wenn das an keiner Stelle explizit gesagt wird.

 

Doch wenn man über Seltene Erden spricht, kommt man an China nicht vorbei. Die Volksrepublik produziert, insbesondere in den Minen in der Inneren Mongolei, fast im Alleingang die begehrten Rohstoffe für die Industrien der Welt. Im Jahr 2008 wurden dort 120.000 Tonnen gefördert, das waren 97 Prozent der weltweiten Menge. Und auch wenn der Anteil an der Weltproduktion laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sinkt, so geschieht das nur langsam: Im vergangenen Jahr waren es noch immer 92,1 Prozent.

 

Doch was sind das überhaupt, die Seltenen Erden? Es handelt sich dabei um eine Gruppe von 17 Metallen, darunter Lanthan, Europium und Neodym. Sie werden in kleinsten Mengen verwendet, sind aber unverzichtbar für die Herstellung von Computern und Computer-Monitoren, DVD-Spielern, leistungsstarken Akkus, Hybrid-Autos, Halbleitern, Handys, Rüstungsgütern und Windturbinen. Seltene Erden sind ein Lebenselixier der Moderne. Und genau deswegen sind sie so begehrt: Produzenten benötigen sie, um all jene Hightech-Entwicklungen produzieren, die die Konsumenten fordern.

 

Die größten Verbraucher Seltener Erden sind Länder, die eine starke Technologiebranche haben: China selbst, Japan, die USA. China exportierte in den vergangenen Jahren bis zu 30.000 Tonnen – und machte sich mit der enormen Produktion der Seltenen Erden auf dem Weltmarkt unverzichtbar. Problematisch wird das, wenn China die Produktion drosselt oder den Export beschränkt.

 

Bereits im März 2012 hatten die EU, die USA und Japan bei der Welthandelsorganisation WTO Beschwerde gegen China eingelegt: Mit Exportquoten, Zöllen und Mindestpreisen benachteilige Peking die globalen Abnehmer und verstoße damit gegen seinen Beitrittsvertrag zur WTO. China wies die Vorwürfe stets zurück und erklärte, die Kontrollen dienten dazu, die Umwelt und die Vorräte zu schonen.

 

Letztlich ist die Welt auf China angewiesen, wenn es zur Produktion von Seltenen Erden kommt. Geologen kennen weltweit rund 440 Seltene-Erden-Vorkommen. Doch bei den chinesischen Zahlen kann die Konkurrenz nicht mithalten: Die USA hatten vergangenes Jahr einen Produktionsanteil von 4,3 Prozent, Russland von 2,3 Prozent und Malaysia von 1,3 Prozent. Das einzige nennenswerte Vorkommen in Deutschland liegt übrigens im Nordwesten von Sachsen.

 

China währenddessen baut sein Engagement immer weiter aus: So entsendet die Volksrepublik laut Spiegel Online beispielsweise auch Rohstoffsucher in den Amazonas, um dort "die geologische Basis für die Erforschung und Ausbeutung der Mineralien Venezuelas zu schaffen", wie die Seite einen Plan einer chinesischen Firma zitiert.

 

Doch wie realistisch ist es nun, dass ein Mensch wegen seines Wissens über die Gewinnung dieser wertvollen Rohstoffe umgebracht wird? Nun ja, sagen wir mal so: Völlig abwegig ist der Mordfall aus dem „Tatort“ wohl nicht. Ohne die Seltenen Erden könnten viele unserer hochmodernen Geräte nicht oder, auf Ersatzstoffen basierend, nur sehr schwer gebaut werden – und gerade dass die wertvollen Rohstoffe so selten sind, macht sie dabei zu etwas Besonderem.

 

Plus: Der Abbau der Seltenen Erden geht nicht selten mit einem absoluten Raubbau einher – an der Natur, aber auch und vor allem am Menschen. Die Umweltzerstörung, die Bohrungen im Ozean oder gigantische Minen in der Inneren Mongolei hinterlassen, ist oft fatal: Der Abbau von Seltenen Erden erfolgt über Säuren, mit denen die Metalle aus den Bohrlöchern gewaschen werden. Der dabei vergiftete Schlamm bleibt zurück. Und die Arbeiter, meist schlecht gebildet und mindestens ebenso schlecht bezahlt, riskieren im täglichen Umgang mit diesen giftigen und zum Teil auch radioaktiven Substanzen ihre Gesundheit.

 

Es kann deshalb durchaus sein, dass geheimes Wissen über die Bedingungen der Produktion und Gewinnung in den großen Förderstätten der Welt, beispielsweise der weltweit wichtigsten Mine Bayan-Obo in der Mongolei, dringend geheim bleiben soll. Koste es, was es wolle – denn immerhin hängt daran nicht nur die Gewinnung der Seltenen Erden, sondern auch eines seltenen wirtschaftlichen Gewinns. In diesem Sinne war der Kieler „Tatort“ zumindest ein Krimi, der zum Nachdenken angestoßen hat.

 

 

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